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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

30.08.2019

Absichtslos dem Willen Gottes ergeben

Foto: Kreitmeier

Musterbeispiel: In Maria verwirklicht sich in einzigartiger Weise Gottes Liebesplan. Bild aus der Pfarrkirche Pleinfeld. Foto: Kreitmeier

Zwei Tugenden spricht Jesus im heutigen Evangelium an, Demut und absichtslose Zuwendung. Echte Demut fließt aus der Liebe. Ein Meer von Literatur wurde darüber verfasst, vor allem von den Mönchsvätern. Demut ist der Generalschlüssel ins Himmelreich. Mit der Demut im Herzen finde ich den Ausgang aus der Hybris, der Überheblichkeit, die in Luzifer aufbrannte, als er sein wollte wie Gott. 

Jeder von uns hat seine eigene Hybris, jeder von uns muss sehen, dass er ihr entkommt. Die Demut zeigt ihm nicht nur den Ausstieg aus der Hybris, dem blendenden Stolz, sie zeigt ihm auch den Einstieg in das erleuchtete göttliche Lieben. 

So ist der Schlüssel Demut das schadlose Antibiotikum gegen unsere Sündhaftigkeit, ja das wahrhafte Lebenselixier, das uns den Kontakt zum Leben selbst vermittelt. „Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut“ – singt die Mutter Gottes im Magnifikat. Die zweite Tugend unseres Evangeliums ist absichtslose Zuwendung. Auch sie ist ein Ausfluss der göttlichen Liebe. Die Absichtslosigkeit bedeutet letztlich Aufgabe des eigenen Willens im göttlichen Wollen. Normalerweise hat unser Ego seine Strategie der Vorlieben. Absichtslosigkeit ist die Strategie der Liebe: „Gott lässt seine Sonne scheinen über Gerechte und ungerechte“. Vielleicht ist das auch der tiefere Sinn des Zadik, des Gerechten, den der Chassidismus kennt. Allem gerecht werden kann nur der, der absichtslos dem Willen Gottes ergeben ist.

Es gibt Heilige in unseren Tagen, die die Demut und Absichtslosigkeit der göttlichen Liebe in vollkommener Weise darstellen. Mutter Teresa von Kalkutta kennt jeder, sie ist schon gestorben. Aurelio Gazzera kennt keiner, und er ist noch am Leben.

1962 in Italien geboren, trat er als junger Mann in den Orden der Unbeschuhten Karmeliten ein und wurde an seinem 27. Geburtstag zum Priester geweiht. Seit 1992 wirkt er als Missionar in Bouzoum in der Zentralafrikanischen Republik. Mit dem Menschenrechtspreis „Consejo General de la Abogacia Espaňola“, wurde er ausgezeichnet, weil er tausende Leben gerettet hat. Noch heute singen die Menschen der Region: „Wir danken Aurelio und seinem Gott, dass er die Gewehre der Banditen niedergebeugt hat.“ In den blutigen Bürgerkriegsjahren seit 2013 schaffte Gazzera es durch Verhandlung mit allen bewaffneten Gruppen – oft unter Lebensgefahr – ein Massaker zu verhindern. Allein mit der Waffe des Rosenkranzes in der Hand, brachte er die Höllenmaschinerie der Gewalt zum Stehen.

Schließen wir uns dem Beispiel Pater Aurelios an, in der demütigen, absichtslosen Verwirklichung des göttlichen Liebesplanes.

Alois Loeßl, Kirchenzeitung Nr. 35 vom 01. September 2019


22. Sonntag im Jahreskreis

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 28 vom 12.7.2020

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