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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

05.01.2018

Christus hat uns die Nähe Gottes gebracht

Der emeritierte Papst Benedikt stellt in seinem Jesus-Buch die Frage, was eigentlich das Besondere am Christentum ist. Was hat Jesus im Vergleich zu anderen Religionsgründern Neues gebracht? Er antwortet darauf: Jesus hat uns die Nähe Gottes gebracht. Mit dieser Antwort trifft er den Kern des christlichen Glaubens.

Gott ist in Jesus in unsere Nähe getreten. Äußerlich gesehen ist die Welt weit weg von Gott. Das Wort Gott ist für viele ein Fremdwort geworden. Wir selber leiden manchmal unter dem Gefühl der Gottesferne. Wir sind trotzdem nicht fern von Gott. Das Evangelium ist ein einziges Zeugnis der machtvollen Nähe Gottes. Auch das Fest „Taufe des Herrn“ ist ein Zeugnis seiner Nähe zu uns. Was ist am Jordan geschehen?

Die Taufe Jesu am Jordan ist eine Offenbarung seiner Sendung. Nicht durch Worte, sondern durch zeichenhaftes Handeln wird offenbar, was das Ziel seiner Sendung ist: Jesus trägt die Nähe Gottes in die Menschheit hinein. In der Taufe Jesu am Jordan wird deutlich, was die Menschwerdung Gottes, die wir an Weihnachten gefeiert haben, im Tiefsten bedeutet. Jesus steigt mit den Büßern und Sündern zusammen in das Wasser des Jordan hinab. Er reiht sich ein in die Zahl der Menschen, die dort ihre Sünden bekennen und die Taufe empfangen. Er steigt hinab in die Tiefen der menschlichen Existenz, um ihr Schicksal zu teilen. Das ist nicht nur ein Zeichen menschlicher Solidarität. 

Die Evangelisten legen großen Wert darauf zu betonen, dass zwischen Jesus und allen bisherigen Propheten, eingeschlossen Johannes der Täufer, ein himmelweiter Unterschied ist: „Ich habe nur mit Wasser getauft. Der nach mir kommt, wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.“ Mit Jesus kommt etwas Neues: „Ich bin nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren.“ Auf Jesus lässt sich der Heilige Geist nieder. Die Taube drückt wohl aus, dass Jesus nicht nur eine innerpsychische Geisterfahrung hatte, gleichsam eine Gebetserfahrung, sondern dass der Geist bleibend auf ihm ruht. Er ist von nun an der Spender des Heiligen Geistes. Er ist der vom Heiligen Geist Gesalbte. Er besitzt den Geist in Fülle. Nicht für sich empfängt er den Geist Gottes, sondern für jene, die später auf seinen Namen getauft werden.

Die Taufe bringt uns in die Nähe Gottes. Jeder Getaufte darf sagen: Gott ist mit mir. Gott hat mir seinen Geist geschenkt. Der Geist und die Kraft Jesu leben in mir. Ich kann aus seinem Geist leben. Gott ist durch die Taufe persönlich in mein individuelles Leben eingetreten. Er begleitet mich durch alle Höhen und Tiefen des Lebens. Er ist wirklich der „Immanuel“, das heißt, der Gott mit uns. Immer, wenn ich mich mit geweihtem Wasser bekreuzige, dann bekenne ich: „Ich bin getauft und Gott geweiht. Ich gehöre zu Jesus Christus. Sein Geist lebt in mir. Ich bin der Macht des Bösen entrissen.“ Die Welt, in der wir leben, ist nicht so dunkel und Gott fern, wie viele meinen. Gott ist uns nahe. In Jesus ist er auch in meine Nähe getreten.

Der Jesuitenpater Andreas Batlogg, Mitherausgeber der Zeitschrift Stimmen der Zeit, berichtet, dass ihm dieses Wort „Gott ist mit  uns“ heuer vor Weihnachten besonders betroffen gemacht hat: Nach dem Ausbruch einer schweren Erkrankung und nach einer ärztlichen Untersuchung erfuhr er die Diagnose: „Es ist leider ein bösartiger Tumor. Bitte sagen Sie alle Termine ab!“ Da wusste ich, wie es um mich steht, schrieb er. Nach diesem ersten Schock kam der ihn behandelnde Onkologe und sagte zu ihm den wunderbaren Satz: „Ich werde jetzt für Sie da sein.“ Dieser Satz klang für ihn wie eine Weihnachtsbotschaft. Und er dachte an das Monogramm der Jesuiten „IHS“, das heißt Jesum Habemus Sozium, übersetzt: Wir haben Jesus zum Gefährten. Dieser, sein Wahlspruch, ist auch der Inhalt der Weihnachtsbotschaft. Jesus ist Immanuel, das heißt, der Gott mit uns. Wir sind nicht allein gelassen. Gott geht mit uns.

Pius Schmidt, Kirchenzeitung Nr. 1 vom 7. Januar 2018

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 21 vom 27.05.2018

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