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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

08.03.2019

Christus – Vorbild in Versuchungen und Leiden

Die Versuchung Jesu in der Wüste gehört zu den markanten Stellen des Evangeliums: Jesus wird vom Satan in Versuchung geführt. Am ersten Fastensonntag erinnert die Kirche wieder alle Gläubigen daran, dass auch sie mit Versuchungen zu rechnen haben.

Der Versucher will in drei Anläufen Jesus von seinem Weg abbringen. Die Versuchungen zielen in hämischer Weise zunächst auf die Gottessohnschaft Jesu ab: „Wenn du Gottes Sohn bist ...“. Der Sohn Gottes tritt nicht im Gewand eines machtvollen Messias auf, sondern im Gewand eines unscheinbaren Lehrers und im gottgefälligen Gehorsam gegenüber dem Vater. In allen Versuchungen des Lebens sollen wir wie Jesus auf Gott vertrauen. Das Gottvertrauen ist wohl unsere stärkste Waffe in allen Versuchungen des Lebens.

Es ist nicht von einem dramatischen Kampf gegen den Bösen oder von der Besiegung des Teufels die Rede. Der Sohn kämpft und streitet nicht. Jesus verweist mit überlegter Ruhe auf die Wundermacht Gottes. Der Sohn Gottes vertraut bedingungslos auf den Vater, während der Versucher ihn von seinem von Gott ausersehenen Weg abbringen will. Dahin zielen auch alle Versuchungen, die dem gottgläubigen Menschen heute widerfahren. Der Versucher will den Glaubenden von seinem Weg abbringen. „Alle Macht und Herrlichkeit dieser Welt“ verspricht ihm der Versucher. Er betont ausdrücklich: „Alle Macht und Herrlichkeit dieser Reiche sind mir überlassen und ich gebe sie, wem ich will.“ Macht und Herrlichkeit sind Lockmittel des Bösen.

Beachten wir auch, wie „fromm“ der Versucher auftritt. Er erscheint im Gewand des Lichtes, unter dem Schein des Guten. Er kennt sich gut aus mit Bibelzitaten, doch er verdreht sie etwas. Von Versuchungen ist die Kirche zu allen Zeiten begleitet, auch heute. „Erfüllt vom Heiligen Geist“ kam Jesus von seiner Taufe am Jordan und wurde doch vom Teufel in Versuchung geführt. Der Geistbesitz scheint den Versucher nicht abzuschrecken. Vielleicht ist das ein Hinweis darauf, dass auch der getaufte und mit Heiligen Geist begnadete Christ von heute vor Versuchungen nicht gefeit ist. Es ist also nichts außergewöhnliches, wenn der gläubige Christ in vielerlei Versuchungen gerät. Aber mit der Kraft des Geistes kann er alle nach der Taufe zu erwartenden Versuchungen bestehen.

Die Tradition der Kirche hat sich viel mit dem Thema des Umgangs mit dem Bösen auseinandergesetzt. Auch das Leben des Christen ist ein ständiger Kampf. Es bedarf Mut und Kraft, um den Versuchungen zu widerstehen. Bei allerErnsthaftigkeit sprechen etwa die Kirchenväter mit einer großen Unbekümmertheit über den „geistlichen Kampf“. Dieser Kampf hat bei ihnen nichts Verbissenes oder Bedrückendes an sich. Die Kirchenväter sehen mehr die positive Seite dieses Kampfes. Der geistliche Kampf lässt die innere Kraft des Menschen wachsen, sagt der Wüstenvater Antonius: „Wie der Sportler durch Training stärker wird, so auch der Christ durch den geistlichen Kampf.“

Jesus ist auch „gekommen, um alle, die vom Teufel beherrscht werden, zu befreien“ (Apg 10, 38). So gehen wir, die Versuchung und den Sieg Jesu vor Augen, wieder in die 40 Tage der österlichen Bußzeit hinein. Jesus ist unser Vorbild in Versuchungen und im Leiden.

Pius Schmidt, Kirchenzeitung Nr. 10 vom 10. März 2019

Erster Fastensonntag

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 47 vom 24. November 2019

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