Zum Inhalt springen

Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

29.03.2019

Damit unsere Heilssorge nicht erlischt

Unser natürliches Empfinden sagt uns, dass der Vater im Gleichnis aus dem heutigen Evangelium nicht gerecht gehandelt hat. „Das ist nicht recht, Vater“, sagt der ältere Sohn. „So viele Jahre schon diene ich dir, für mich hast du noch nie ein solches Fest gefeiert!“ Der Vater hat sich über die Heimkehr seines verlorenen Sohnes über alle Maßen gefreut. Er unterlässt es, dem Sünder Vorwürfe zu machen und ihm seine schlechten Taten vorzuhalten. Der ältere Sohn aber ist gekränkt. Man könnte meinen, dass der Vater die Sünde des heimgekehrten Sohnes verharmlost. Nein, er weiß: die Sünde zerstört Glück; sie trennt vom wahren Leben. Der Vater hat die „Todesmacht“ der Sünde erkannt. Deshalb handelt er so.

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn ist auch eine Veranschaulichung dessen, was die Sünde mit einem Menschen machen kann. Die Sünde hat den Sohn schrecklich zugerichtet. Jesus will uns auf dieses Unheil hinweisen. Der ältere Sohn scheint diese Todesmacht der Sünde nicht zu sehen. Sein Bruder war in Gefahr, sein Leben zu verlieren, nicht nur sein irdisches, sondern sein wahres und ewiges Leben. „Dein Bruder war tot“, antwortet der Vater seinem älteren Sohn. 

Den älteren Bruder bewegt das nicht. Er kann die Freude des Vaters nicht nachvollziehen. Neid und Eifersucht haben sein Herz hart gemacht. Er sieht nicht mehr, was die Sünde eigentlich bedeutet. Er ist neidisch auf den Sünder. Vielleicht ist er innerlich der Meinung, dass sein Bruder mehr von seinem Leben hatte als er, und dass der Bruder sein Leben mehr genossen hat, als er, der beim Vater war.

Gleichgültigkeit gegenüber dem Heil der anderen kann jeden Menschen befallen. Gleichgültigkeit gegenüber dem Heil der Menschen kann sich auch in der Kirche ausbreiten. Doch das ist eine tote Kirche, wenn in ihr die Heilssorge erloschen ist. Ein Zeichen für die Lebendigkeit des Glaubens ist es dagegen, wenn zum Beispiel den Eltern das Heil ihrer Kinder am Herzen liegt.

Der verlorene Sohn hat sich bekehrt; er ist umgekehrt. Doch der ältere Sohn freut sich nicht mit ihm. Er schätzt es auch nicht mehr, dass er beim Vater ist. Schätzten wir noch das Glück der Nähe Gottes und die Freude darüber, dass wir mit Gott verbunden sind?

Pius Schmidt, Kirchenzeitung Nr. 13 vom 31. März 2019

Vierter Fastensonntag

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 42 vom 20. Oktober 2019

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen@kirchenzeitung-eichstaett.de



Bezugspreise (ab Jan. 2018): Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 7,50 € (6,35 € einschl. 7 % MWSt. + 1,15 € Zustellgebühr); durch die Post monatlich 8,25 €; Einzelnummer 1,80 €.