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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

16.11.2018

... dann werden wir Gottes wunderbare Wege begreifen

Foto: Erich Kraus

Foto: Erich Kraus

Am vorletzten Sonntag im Kirchenjahr hören wir von der Rede Jesu über das Weltende. Die Bilder dieser Rede entstammen dem damaligen Weltbild. Wir nennen solche Texte „apokalyptische“ Texte. Der Sinn dieser apokalyptischen Texte ist es nicht, Angstszenarien aufzubauen, denn: Apokalypse heißt eigentlich „Enthüllung“. Diese Texte enthüllen etwas von dem, was noch kommen wird. Sie wollen uns die Augen öffnen für das Kommende.

Sowohl unserem persönlichen Leben als auch der ganzen Weltgeschichte ist ein Ende gesetzt. Alle Dinge werden vergehen. Nicht einmal die sichersten Bezugspunkte unserer Welt haben Bestand. Auch Sonne, Mond und Sterne werden vergehen und „die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.“ Das Ende kommt nicht durch eine vom Menschen erzeugte ökologische Katastrophe, auch nicht durch eine von uns erzeugte atomare Zerstörung der Erde, sondern durch ein Ereignis von außen. Gott hat dieser unserer Welt ein Ende gesetzt! Er ist Anfang und Ende allen Seins. „Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit kommen sehen“ – Gott, der uns einst am Ende begegnet, wird das Antlitz Jesu Christi tragen. Wir glauben an den, „der einst kommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten.“ Er wird uns einst kein Unbekannter sein, denn wir kennen seine Stimme schon. Wir sind ihm schon begegnet in seinem Wort, in unseren Gebeten und in den Sakramenten. Er wird einst auch unser Richter sein. Doch die Stimme des „Guten Hirten“ bleibt dieselbe!

Heute wird in unserem Land der Volkstrauertag gefeiert. Wir gedenken der vielen Opfer der Kriege, auch der Kriege in jüngster Zeit. Wir gedenken der Opfer der Terroranschläge, der Gefallenen, der Vermissten, der in den Kriegsgefangenschaft Umgekommenen, der Opfer in den Konzentrationslagern, der Opfer der Bombardierungen der Städte, der auf der Flucht Umgekommenen. Ist das Unrecht an den Unschuldigen für immer besiegelt? Es entspricht der tiefsten Hoffnung des Menschen, dass am Ende die Gerechtigkeit wieder hergestellt wird. Letztlich wollen wir alle, dass allen Leidtragenden einmal Gerechtigkeit widerfährt.

In der Begegnung mit Christus, der die Wahrheit ist, wird einst die wahre Beziehung eines jeden Menschen zu Gott endgültig offengelegt werden. In dieser letzten Begegnung wird bis in die äußersten Folgen offenbar werden, was jeder während seines Erdenlebens an Gutem getan oder nicht getan hat. Dann werden wir auch den Sinn unserer ganzen Geschichte erkennen. Wir werden die wunderbaren Wege begreifen, auf denen Gottes Vorsehung alles zum Ziel geführt hat. Das letzte Gericht wird zeigen, wie die Gerechtigkeit Gottes über alle Ungerechtigkeiten, die von seinen Geschöpfen angetan wurden, siegt und dass seine Liebe stärker ist. Die Welt vergeht, der Kosmos ist vergänglich, Gottes Allmacht bleibt: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“

Die Weltgeschichte, auch unser persönliches Leben, mündet ein in eine Begegnung. Das letzte Wort spricht nicht der Zufall oder irgendwelche kosmischen Mächte. Der Menschensohn wir mit großer Macht und Herrlichkeit erscheinen.

Über das letzte Gericht schreibt der heilige Franz von Sales: „Mir ist es lieber, dass Christus mein Richter ist, als meine eigene Mutter.“ Wir wissen, dass Franz eine sehr gute Mutter hatte. Die Liebe zu ihrem Sohn war sehr groß. Aber noch größer ist die Liebe Gottes, die uns einst im Weltenrichter begegnet.  

Pius Schmidt

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 3 vom 20.1.2019

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