Zum Inhalt springen

Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

22.07.2020

Das hörende Herz und der liebende Verzicht

Foto: pixabay

Foto: pixabay

Im Buch der Könige hat der junge Salomo nach Art eines Märchens einen Wunsch frei.  Er wünscht sich ein hörendes Herz. So lesen wir es heute in der ersten Lesung aus dem Alten Testament.

Die Bibel ist nicht nur ein Märchenbuch – obwohl sie das auch ist, weil sie uns alles sein kann. In jedem Wort steckt tiefe Bedeutung. „Herz“ bedeutet hier nicht Pumpe oder Kitschemblem, sondern Mitte der ganzen Person. Im Herzen ist Äußeres und Inneres, Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges verknüpft, Herz bedeutet hier: Wesen einer Person.

Ein hörendes Herz lebt nicht in lustvoller Selbstbespiegelung, sondern es weiß von Ich und Du, es weiß, dass das eigene Leben geknüpft ist an eine unendliche Begegnung im Gegenüber Gottes. Und schließlich bescheidet es sich, gibt nicht selber den Ton an, will sich einhören in die Harmonie von Gott und Welt. Altchristlich gesprochen ist es demütig und deshalb hörend. Salomo, dessen Name den Frieden anklingen lässt, darf dem Herrn einen Tempel bauen. Jesus vergleicht sich mit Salomo, wenn er davon spricht, dass er den Tempel in drei Tagen wieder aufbauen will. Er meint den Tempel seines Leibes.

König Salomo symbolisiert den Messias.Wenn er von Gott mit Weisheit beschenkt wird, dann reimt sich das wieder auf Jesus, der als Weisheit Gottes ewig eins ist mit Gott und durch den alles wurde. Dieser Jesus nun, als Mensch Tempel Gottes, und Gott selber darin, vergleicht im Evangelium vom heutigen Sonntag das Himmelreich mit einem Schatz, mit einer Perle. Alles ist dafür auf eine Karte zu setzen. Wir wissen, viele Helfer, selbst nichtchristliche tun das, verzichten auf Geld, Karriere und Selbstverwirklichung. Priester und Ordensleute verzichten auf eine eigene Familie, Eltern wiederum verzichten auf eigene Ansprüche für ihre Kinder, ja, es scheint, das Gute in der Welt blüht aus dem liebenden Verzicht. 

Der Zeitgeist lügt uns das Gegenteil vor: Lass den Schatz, die Perle im Acker, das ist im Zweifelsfall Dreck. Such dein Vergnügen, solange du gesund bist und leb wie im Rausch. Kümmere dich zuerst um dich selbst und lad dir bloß keine Pflichten auf. Verschließ dein Herz und hör nur auf dich. Doch wir wollen nicht leben als verschlossene Herzen eines sterbenden Volkes! Wir wollen nicht abertausend getötete Kinder, steigende Scheidungsraten und Panik vor Bindung! Wir wollen keine Verantwortungsflucht! 

Erheben wir unsere Herzen! Gott mache sie hörend.

Alois Loeßl, Kirchenzeitung Nr. 30 vom 20. Sonntag im Jahreskreis (zum Evangelium Mt 13, 44–52)


17. Sonntag im Jahreskreis

Weisheit, wie die Bibel sie versteht, ist nicht das Gleiche wie Philosophie oder Lebenskunst. Es handelt sich darum, die Wege Gottes und der Menschen zu begreifen und sich selbst zu verstehen. Das ist nicht nur eine Frage des Alters, der Begabung und des guten Willens. Die Weisheit ist ein Geschenk Gottes, ein notwendiges Geschenk, wenn unser Leben gelingen soll. Sie wird dem gegeben, der sie mit wachem Herzen sucht und um sie bittet.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 48 vom 29.11.2020

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de

Bezugspreise (ab Jan. 2020):
Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 8,30 €
(7,15 € einschl. 7 % MWSt. + 1,15 € Zustellgebühr);
durch die Post monatlich 9,05 €;
Einzelnummer 2,10 €.