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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

29.07.2020

Das Leben miteinander teilen

Foto: Wikimedia/Grauesel

Brot-und-Fische-Mosaik in der Kirche der Brotvermehrungin Tabgha am See Genezareth, Israel                         Foto: Wikimedia/Grauesel

Es muss etwas unheimlich Anziehendes von Jesus ausgegangen sein. Das Volk läuft ihm nach, nimmt die Beschwerlichkeit des Weges auf sich und stellt sogar die Grundbedürfnisse, wie das Essen, hinten an. Jesus nimmt die Menschen auf – jeder Einzelne hat sich von ihm wohl geliebt und angenommen gefühlt.

Wir hören heute, dass sich Jesus eigentlich in die Stille zurückziehen wollte, nachdem er die Nachricht vom Tod seines Vetters, Johannes des Täufers, erfahren hatte. Doch die Menschen kommen an den einsamen Rückzugsort. Uns wären die Leute wahrscheinlich lästig gewesen. Wir hätten sie mit guten Gründen weggeschickt oder schnell abgespeist – und das hätte auch jeder verstanden. Doch Jesus sieht die Menge – und denkt nicht an sich. Und die Leute genießen seine Gegenwart, seine Zuwendung und sie lauschen seinen Worten der Wahrheit, die sicherlich nicht immer bequem waren. Die Menschen bleiben da, ja, sie müssten fortgeschickt werden, weil Jesus für sie und ihre Anliegen, für ihr Leiden, für ihr Leben da ist. Jesus teilt das Leben mit ihnen und lässt ihr Leben mit sich teilen. Er stillt ihren geistigen Hunger nach Liebe und Zuneigung, nach Heil, der manchmal stärker und schwieriger zu stillen ist als der leibliche Hunger.

Als es dunkel wird, wollen die Jünger die Menschen wegschicken. Wie oft sind auch wir versucht, Menschen wegzuschicken, wenn sie kommen, in der Dunkelheit ihrer Ängste, in der Not, in der Sorge. Wir verweisen sie woandershin, wo sie Hilfe und (geistige) Nahrung suchen sollen, wo sie vielleicht Aufnahme finden in ihrer Nacht. Manchmal schicken wir die Menschen fort, weil sie uns nerven, weil wir die wohlverdiente Ruhe genießen wollen, weil wir nicht auch noch ihre Probleme auf dem Hals haben wollen, manchmal auch, weil wir uns selber unfähig fühlen. Es versteht sich von selbst, dass manche Not einer professionellen Hilfe bedarf, aber wie oft geht es „nur“ um ein offenes Ohr und ein mitfühlendes Herz?

Jesus spricht auch zu uns: Gebt ihr ihnen zu essen, gebt ihr ihnen eure Zeit, euer Interesse, eure Liebe. Vielleicht antworten wir: Ach, Herr, wir haben nicht viel, wir haben nur diese fünf Brote und zwei Fische, wir haben nur unsere begrenzten Fähigkeiten, nur diese Viertelstunde. Doch genau darum geht es. Gott gibt sich mit dem Wenigen, das wir haben, zufrieden. Es genügt ihm. Denn das Eigentliche wird er vollbringen. Die Voraussetzung ist, dass wir ihm das Unsrige übergeben – und wie schwer ist das manchmal, weil uns der Egoismus, die Bequemlichkeit oder der Kleinmut daran hindern. Wenn wir das Wenige Jesus zur Verfügung stellen, dann werden wir, wie die Jünger, im Überfluss geben und die Menschen sättigen können. Wir geben dann das weiter, was wir von Jesus zurück empfangen haben.

Gott wirkt das Entscheidende, doch lädt er uns ein, gemeinsam mit ihm zu handeln. Gott ist ein Teamplayer, der auf unsere Mitwirkung setzt. Das ist ein Grundprinzip von Gottes Handeln. Trauen wir Gott zu, dass er auch in unserem Leben wirken kann, dass er auch aus unseren Fähigkeiten, unseren Arbeiten und Mühen etwas Großes machen kann, das andere nährt und erfreut. Haben wir den Mut, unsere Fische und Brote zur Verfügung zu stellen und auszuteilen, dann wird Gott auch in unserem Leben Wunder vollbringen.

Pia Sommer, Kirchenzeitung Nr. 31 vom 18. Sonntag im Jahreskreis (zum Evangelium Mt 14, 13–21)


18. Sonntag im Jahreskreis

Hungrige Menschen gab es auch zur Zeit Jesu und in seiner Nähe. Jesus hat seine Jünger nicht gelehrt, Brot zu vermehren, wohl aber, für das vorhandene zu danken und es denen weiterzugeben, die Hunger haben. Das Problem des Hungers ist nicht nur ein Problem der Produktion. Es ist zuerst eine Frage des Austeilens: nicht nur Fremdes zu verteilen, sondern Eigenes herzugeben.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 48 vom 29.11.2020

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