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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

10.07.2020

Den Boden unseres Herzens bereiten

Den Boden unseres Herzens bereiten. Foto: Erich Kraus

Foto: Erich Kraus

Wie oft haben wir das Gleichnis vom Sämann schon gehört! Und wie oft haben wir es gehört und doch nicht gehört. Denn habe ich jemals überlegt, was dieses Gleichnis mir ganz persönlich sagen will? Für uns Christen ist das Wort der Heiligen Schrift „Wort des lebendigen Gottes“. Das heißt, dass wir an einen Gott glauben, der da ist, der mir ganz persönlich in diesem Augenblick etwas sagen will, der dieses Wort jetzt in mein Leben hineinspricht – und der darauf wartet, dass ich dieses Wort annehme, darauf, dass sein Wort auch in mir Frucht bringt. Jesus fordert uns heute ganz explizit dazu auf: „Wer Ohren hat, der höre!“ Was hat er uns also heute zu sagen?

In der ersten Lesung ist davon die Rede, dass das Wort Gottes bewirkt, was Gott will. Im Evangelium hören wir ebenfalls, dass der Same, nämlich das Wort Gottes, fruchtbar und wirksam ist. Das Wort Gottes trägt also in sich eine Kraft, die unser Leben verändern und ihm Frucht verleihen kann. Das müssen wir gar nicht aus eigener Kraft vollbringen. Wie entlastend ist doch dieser Gedanke an die wirksame Kraft des Wortes Gottes.

Wenn wir das Gleichnis näher betrachten, sehen wir, dass der Same zwar immer der gleiche ist, doch hängt die Fruchtbarkeit auch vom Ackerboden, dem Boden unserer Herzen ab. Manches Mal gleicht unser Herz einem festgetretenen Weg – das ist vielleicht dort, wo wir meinen, schon alles zu kennen und schon genug zu tun. Es ist dort, wo der Glaube nur mehr in einer bloßen Routine verankert, aber nicht mehr lebendig und kraftvoll ist, dort, wo wir ihn aus manchen unserer Lebensbereiche ganz bewusst ausklammern. Wir hören zwar, aber wir verstehen nicht, das heißt das Wort Gottes hat keinerlei Bedeutung für unser Leben. Es dringt nicht in unser Herz, um seine wirksame Kraft zu entfalten, sondern wird von der Routine des Alltags verschlungen. Der felsige Boden, von dem Jesus spricht, bringt die Oberflächlichkeit und Unbeständigkeit ins Bild, mit der wir sein Wort aufnehmen. Wie schnell ist man für etwas begeistert, aber wie oft erweist sich diese Begeisterung als Strohfeuer, sobald die ersten Schwierigkeiten auftreten. Auch Dornen bedrohen das Wachstum des Wortes Gottes in unserem Herzen: Die alltäglichen Sorgen und Arbeiten verhindern und ersticken ein Großwerden des Glaubens, weil uns oft an den „Dornen“ mehr gelegen ist als an der keimenden Saat. Der gute Ackerboden bringt also nur Frucht – wenn er entsprechend bereitet, gelockert und gedüngt ist für die Aufnahme des Wortes Gottes.

Wie aber können wir den Boden unseres Herzens bereiten? Wie können wir das Wort Gottes in uns aufnehmen, so dass es fruchtbar wird? Wie können wir das rechte Hören und Sehen erlernen? Vielleicht kann es eine Hilfe sein, sich für diese Woche ein besonderes Wort Gottes aus der Bibel, vielleicht aus den heutigen Lesungstexten, herauszusuchen und mit in die Woche zu nehmen, und zwar als ein Wort, das der lebendige Gott jetzt ganz konkret in mein Leben hineinspricht. Dieses Wort können wir tief in unser Herz einsäen, unser Leben mit ihm konfrontieren, es bei den kleinen und großen Dingen des Alltags, bei Schwierigkeiten, Leid und Freude hervorholen und uns von ihm Trost und Kraft, Leitung und Zuspruch schenken lassen. Dann werden wir die Kraft des Wortes Gottes erfahren und immer mehr zu Sehenden und Hörenden werden, die Gottes Wirken auch im eigenen Leben entdecken. 

Pia SommerKirchenzeitung Nr. 28 vom 15. Sonntag im Jahreskreis (zum Evangelium Mt 13, 1-23)


15. Sonntag im Jahreskreis

Bei allen Worten, die wir hören, müssen wir fragen, was sie eigentlich meinen; die Worte sind ja nicht die Dinge, sie sind Zeichen und Gleichnisse. Wenn das schon auf der Ebene menschlicher Verständigung so ist, kann es nicht überraschen, dass die Wahrheit Gottes uns in Gleichnissen gesagt wird. Was Jesus mit seinen Gleichnissen meint, begreifen wir in dem Maß, als wir uns mit ihnen beschäftigen und versuchen, ihren Sinn zu erfassen.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 48 vom 29.11.2020

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