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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

05.08.2020

„Denn sie hatten Gegenwind ...“

Foto: pixabay

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Gegenwind hat die Kirche derzeit ziemlich viel. Weltweit gibt es Attacken gegen Gläubige in China, Nordkorea, Afrika, in Indonesien oder in Indien. Gegenwind herrscht auch in Frankreich, wo fast jeden Tag zwei bis drei Kirchen beschmiert oder teilweise zerstört werden.

Gibt es auch bei uns Gegenwind? Es ist die Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit vieler gegenüber dem Glauben oder das Wegbleiben der Familien am Sonntag.

Auch die Jünger im Boot erleben starken Gegenwind. Besonders dramatisch ist die Situation, weil Jesus nicht bei ihnen ist. Sie rudern und kämpfen ums nackte Überleben. Doch dann im Dunkel der Nacht eine vertraute Stimme: „Habt Vertrauen, ich bin es, fürchtet euch nicht!“

Sind nicht derzeit auch wir voller Angst, Jesus sei nicht da, er sei abgetaucht und rühre sich nicht? Und dennoch, er ist da, mitten in unserer Angst. Mag sein, dass auch wir ihn für ein Gespenst halten, mitten in der aufgewühlten See unserer Nächte und Seelen. Doch dann dieses „Habt Vertrauen“.

Petrus fühlt sich herausgefordert, verlässt das Boot und geht direkt auf Jesus zu. Solange er ihn im Blick hat, kann er sogar übers Wasser gehen. Doch beim Blick auf die Wellen beginnt er zu sinken.

Wohin geht derzeit unser Blick? Wohin starren wir? Vielleicht auf eine zweite Corona-Welle, auf die nächste Welle von Kirchenaustritten oder auf die Wasser des Unglaubens? Dieser starre Blick erzeugt in uns nur noch größere Ängste. Nicht wenige bewegen sich in solchen Ängsten, dazu noch aufgewühlt durch alle möglichen Verschwörungstheorien.

Und wir, die Gläubigen? Haben wir den Mut, aus dem Boot unserer Ängste auszusteigen und auf den Herrn zuzugehen? Oder siegt unsere Angst, unser Kleinglaube? Dann aber drohen auch wir, wie Petrus, darin unterzugehen. Ist Jesus für uns nur ein Gespenst, eine Einbildung oder doch ein Du, die zweite göttliche Person, der Fels in der Brandung, der Auferstandene über den Wassern des Todes?

Ein Mann meinte vor kurzem: Ich zweifle derzeit daran, dass es nach dem Tod noch „etwas“ geben sollte. Gibt es überhaupt eine Auferstehung? Helft mir! Diese Bitte erinnert mich an den Notschrei des Petrus: „Herr, rette mich, sonst gehe ich zugrunde!“

Tun wir das eigentlich noch: Zu Gott, zu Jesus zu schreien? Die Not, dass uns das Wasser bis zum Hals steht, ist groß genug. Wer noch schreit und den Blick auf Jesus nicht aufgibt, der kann mitten in seiner Angst die rettende Hand des Herrn spüren. Der kann sogar wie Petrus niederfallen und bekennen:„Wahrhaftig, Du bist Gottes Sohn!“ Der braucht weder Sturm, noch Erdbeben oder Feuer, um Gott zu erfahren. Bei dem legt sich der Gegenwind, wenn er den Trubel und die Hektik loslässt und in die Stille geht. Dann aber spürt und hört er sogar Gott, wie Elija in der Lesung, im sanften und leisen Säuseln eines Windes.

Richard Distler, Pfr. i. R., Kirchenzeitung Nr. 32/33 vom 19. Sonntag im Jahreskreis 
(zum Evangelium Mt 14, 22-33)

 


19. Sonntag im Jahreskreis

Der Mensch kann die Stimme Gottes im Sturm und in der Stille hören. Aber erst in der Stille wird das Wort verstanden. Das Wort, das von Gott zu uns kommt, ist nie harmlos. Es schafft Bewegung und Gefahr, aber auch Rettung.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 48 vom 29.11.2020

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