Zum Inhalt springen

Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

27.09.2019

Der Arme ist in den Augen Gottes wertvoll

Es beginnt wie ein Märchen: „Es war einmal ein reicher Mann ...“ – aber diese Geschichte aus dem Lukasevangelium ist kein Märchen.  Sie ist auch kein historischer Bericht, sondern eine Lehrerzählung. Sie ist wahr und hochbrisant.

Ein Mann führt ein luxuriöses Leben. Er scheint nichts anderes zu kennen als Glanz und Freude des Festes. Daneben liegt ein anderer. Lazarus ist sein Name. Zunächst sieht es so aus, also ob Lazarus von Gott vergessen ist. Sein Leben war mehr ein Leben des Dahinvegetierens eines geschundenen Tieres, als  eine menschenwürdige Existenz. Dann endet die Geschichte – mit dem Tod der beiden. Aber die Geschichte geht noch weiter. Nach dem Tod erfährt der Arme Trost, der Reiche aber Qual. Lazarus wird in die ewige Seligkeit,  in den „Schoß Abrahams“, aufgenommen, während der Reiche qualvolle Schmerzen in der Unterwelt leidet.

Die Moral dieser Geschichte lässt sich einem Reichen sehr schwer vermitteln. Seine eingefleischte selbstsüchtige Haltung macht ihn blind. Ja, wenn ein Toter aus dem Jenseits käme, als Augenzeuge aufträte, sagte, wie es da drüben ist – das würde alles ändern. Nein, ein Zeichen aus dem Jenseits würde auch nichts nützen. Denn es gibt bereits solche außergewöhnlichen Zeichen aus der Welt Gottes: die Botschaft Abrahams, des Mose und die der Propheten und die Botschaft Jesu Christi im Evangelium.

Lazarus und der Prasser erinnern uns daran, dass alles, was wir tun, irgendwann nicht mehr geändert werden kann. Das irdische Leben ist eine Frist, eine einmalige und unwiederholbare Chance, die einmal zu Ende ist.

Es geht in der Geschichte nicht darum, Reichtum und Wohlstand als ungerecht zu verurteilen. Ein durch Fleiß und Tüchtigkeit erworbener Wohlstand ist ein Segen. Dem Abraham wurde einst auch Wohlstand ver-

heißen. Und die Kirche betet in ihren Gottesdiensten um Wohlstand der Völker. Es geht hier um den Menschen, der ganz im Mammon verfangen ist, dessen Herz hart und blind geworden ist für die Armen. Ein solcher Mensch, der nur an sich denkt, wird vermutlich wenig Frucht bringen für das Kommen des Reiches Gottes. Aber für Gott ist nichts unmöglich (Lk 18, 27). Gottes Gnade macht es möglich, dass auch seine Selbstsucht aufgebrochen wird. Der Name Lazarus bedeutet wörtlich übersetzt übrigens: „Gott hilft.“ Der Arme ist in den Augen Gottes wertvoll. Auch wenn alle den Armen vergessen würden, bei Gott ist er nicht vergessen. Bis zum heutigen Tag verkündet die Kirche jeder Generation neu, dass zu einem lebendigen Glauben auch die Sorge um die Armen gehört. 

Es gibt auch heute eine große Zahl von Menschen ohne Brot, ohne einem Dach über dem Kopf, ohne Heimat. In all diesen Armen dürfen wir den Lazarus aus dem Evangelium erkennen. „Das habt ihr mir getan“, heißt es (Mt 28). Gott segnet die, die den Armen helfen. An dem, was sie für die Armen getan haben, erkennt Christus dereinst seine Auserwählten. Die heilige Rosa von Lima (+1617) hatte gegen den Willen ihrer Mutter oft Hungernde und Arme in ihr Haus aufgenommen. Als ihre Mutter sie deshalb tadelte, sagte sie: „Wenn wir den Armen und Kranken dienen, dann dienen wir Jesus.“

Pius Schmidt, Kirchenzeitung Nr. 39 vom 29. September 2019


26. Sonntag im Jahreskreis

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 28 vom 12.7.2020

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de

Bezugspreise (ab Jan. 2020):
Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 8,30 €
(7,15 € einschl. 5 % MWSt. + 1,15 € Zustellgebühr);
durch die Post monatlich 9,05 €;
Einzelnummer 2,10 €.