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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

23.09.2020

Der den Willen des Vaters erfüllt

„Wer nur ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Welt.“

„Wer nur ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Welt.“ Foto: picture alliance/dpa/Bernd Weissbrod

Die Geschichte jenes deutschmährischen Unternehmers im Dritten Reich ist recht bekannt. Er ist NSDAP-Mitglied, will reich werden, freundet sich deshalb mit SS-Größen und dem Polizeichef von Krakau an. Mit Hilfe jüdischer und polnischer Zwangsarbeiter hofft er das große Geld zu machen. 

Ein Teufelsbraten, wie er im Buch steht, könnte man meinen. Er hat Nein gesagt zu Gott, seinem Vater, rücksichtslos sucht er nur seinen Vorteil.

Doch die Geschichte geht weiter. Zwar hat er die Mächtigen um sich herum bestochen, es fehlt ihm aber das Geld für eine geplante Fabrik. Mit der Hilfe des jüdischen Untergrundes und eines fähigen Mannes aus dem Judenrat kann er alles beschaffen, was er braucht, einschließlich der Zwangsarbeiter. Als „kriegswichtige Arbeiter“ werden aus dem Krakauer Ghetto Menschen in die Fabrik geschleust, wo sie vor Verhaftung geschützt sind. Auch Kinder und Greise sind zum Ärger des Unternehmers dabei. Doch geht er nicht gegen seinen jüdischen Geschäftsführer vor.

Zunehmend muss er die Bestialität der SS-Offiziere erkennen, besonders das Massaker bei der Räumung des Ghettos. Immer noch widerwillig handelt er den Schutz seiner teilweise schlecht ausgebildeten Arbeiter aus. Dann aber wendet sich sein Charakter.

Aus dem eiskalten Geschäftemacher wird nun ein Mann, der sein Geld und Leben einsetzt, um so viele Menschen wie nur möglich zu retten. Beim Rückzug der Nazis kauft er die Arbeiter für eine Million Reichsmark frei, um angeblich die Fabrik in seine mährische Heimat zu verlegen. Sie sind alle auf einer Liste eingetragen, die zur Überlebensgarantie wird. Ein fehlgeleiteter Zug mit Frauen muss mit dem Rest seines Geldes zurückgeholt werden aus dem KZ Auschwitz.

1.200 Menschen konnte er vor dem sicheren Tode retten, weil er, der zunächst nein gesagt hat, am Ende mit allen Fasern den Willen Gottes erfüllte. Es dürfte den meisten inzwischen klar geworden sein, dass es sich bei dem Unternehmer um Oskar Schindler handelt und um seine Liste. Unsere Abb. zeigt sein Grab auf dem römisch-katholischen Franziskanerfriedhof am Berg Zion in Jerusalem.

Der Film, der über sein Leben gedreht wurde, zeigt die Tiefe seiner Bekehrung, wenn er bereut, sein Auto nicht verkauft zu haben, weil er noch zehn Menschen hätte freikaufen können. Er weint über sein goldenes Parteiabzeichen, das ihm zwei weitere Menschenleben eingebracht hätte.

Aus dem Gold ihrer Zähne schmieden ihm die Geretteten einen Ring. Darauf ist der talmudische Spruch eingraviert: „Wer nur ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Welt.“ 

Halten wir es mit dem Sohn aus dem Evangelium dieses Sonntags, der den Willen des Vaters erfüllt, halten wir es mit Oskar Schindler, kehren wir uns ab von unserer Eigensucht, bekehren wir uns zum Leben schaffenden Willen des göttlichen Vaters.

Alois Loeßl, Kirchenzeitung Nr. 39 vom 26. Sonntag im Jahreskreis (zum Evangelium Mt 21, 28–32)


26. Sonntag im Jahreskreis

Ein großer Optimismus steckt in der Predigt der Propheten, denn wie kann jemand predigen, wenn er nicht an das Gute im Menschen glaubt und auf das Erbarmen Gottes hofft? Wo Gottes Herrschaft (das „Himmelreich“) ausgerufen und die Rückkehr der Menschen zu Gott gefordert wird, da weiß der Mensch, dass Gott sich um ihn kümmert und ihn nicht auf seinen verlorenen Wegen weitergehen lässt.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 43 vom 25.10.2020

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