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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

14.06.2019

Die Gegenwart Gottes in unserer Seele

Foto: epd

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Das Dreifaltigkeitsfest ist ein erhabenes Fest mit hohen Gedanken und einer erhabenen Sprache. Der kleine Mensch steht vor dem Geheimnis Gottes. Er kann den tiefen Abgrund dieses Geheimnisses nicht ausschöpfen. 

Der Theologe Karl Rahner versuchte das Wort „Gott“, wenn es irgendwie ging, zu vermeiden. Oft ersetzte er es durch Formulierungen wie „die letzte Wahrheit unseres Lebens“ oder „das schweigende Geheimnis, das uns umgibt“. Wenn wir uns Gott nähern, dann geht es um etwas überwältigend Großes. Dennoch ist unser Reden von Gott nicht bloß eine Sache für Theologen. Es ist an einfache Menschen gerichtet. Die biblischen Texte dieses Festes reden so, dass auch einfache Leute sie verstehen können. 

Die erste Lesung dieses Sonntags beginnt mit einem Loblied auf die Weisheit Gottes in der Schöpfung. Die Weisheit Gottes hält die Welt im Innersten zusammen. Das kunstvolle und zugleich zerbrechliche Gleichgewicht der Weltordnung wird getragen von der Weisheit Gottes. Die Schöpfung ist eine erste Offenbarung seiner Güte, Weisheit und Liebe. „Der Geist des Herrn erfüllt das All“, sagt der Psalmenbeter. Die Welt ist ein Spiegelbild der göttlichen Weisheit. Das Aufblühen der Natur im Frühling, die Pracht der Blumenwiesen, Sträucher und Bäume, lassen etwas davon erahnen, welche Lebensfülle aus der Schöpfermacht Gottes hervorquillt.

In diesen Wochen ist der amerikanische Astronaut Charlie Duke nach Deutschland gekommen. Anlass seines Besuches ist der Jahrestag der ersten Mondlandung vor fünfzig Jahren. Er selber hat im Jahr 1972 als zehnter Mensch den Boden des Erdtrabanten betreten. Bei einem Interview sagte er: „Die Schönheit unserer Erde ist in unserem Sonnensystem einzigartig.“ Der Gedanke ist faszinierend, auf einem anderen Gestirn im Weltall zu stehen. Aber soweit wir bisher wissen, finden wir auf ihnen nichts anderes als Gestein, Sand, Wüste, Eis. Sie sind wüst und leer. Und dann schauen wir, vom Weltall aus gesehen, auf unsere Erde: Sie ist wie ein Paradies, voller Pracht und Leben. Die Schöpfung ist eine Offenbarung der Lebensfülle Gottes.

Der Apostel Paulus spricht in der zweiten Lesung noch von einem anderen Zugang zu Gott. Gott wohnt auch in unserem Inneren. Gott ist einerseits absolut transzendent, das heißt über alles erhaben. Er ist aber gleichzeitig auch absolut immanent, das heißt innerlicher als wir uns selbst sind. Der Heilige Geist ist die intime Gegenwart Gottes in unserer Seele.

So macht uns die Lehre von der Heiligsten Dreifaltigkeit bewusst, dass Gott nicht ein in sich abgeschlossenes Wesen in einem fernen Himmel ist, auch nicht bloß eine göttliche Energie. Gott ist jemand, der aus sich herausgeht und sich uns mitteilt. Gottes Liebe will sich an uns verströmen. „Durch den Heiligen Geist ist die Liebe Gottes in unsere Herzen eingegossen“, schreibt Paulus im Römerbrief. Wir werden nicht vertröstet, dass wir einst einmal, vielleicht in der Ewigkeit, die Liebe Gottes erfahren dürfen, nein, sie begegnet uns schon jetzt, diese Liebe, mit der Gott uns in seinem Sohn geliebt hat: „Durch Christus haben wir einen Zugang zu Gott und zu seiner Gnade.“ Auf ewig dürfen wir einst teilhaben am Leben des Dreifaltigen Gottes, so ist uns verheißen. Nach dem Maß unserer jetzt gelebten Liebe werden wir daran teilhaben. 

Pius Schmidt, Kirchenzeitung Nr. 24 vom 16. Juni 2019

Dreifaltigkeitssonntag

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 42 vom 20. Oktober 2019

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