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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

30.09.2020

Die Geschenke der Liebe Gottes in unserem Leben

Danken – wie wohltuend ist es, daran erinnert zu werden, heute am Erntedankfest. Wie oft vergessen wir das Danken für die Gaben der Erde – dabei ist die Dankbarkeit eine Quelle der Freude und des Glücks. Die Dankbarkeit sieht das Gute, sie weiß, dass vieles nicht selbstverständlich ist und geht mit offenen Augen durch das Leben, um sich zu freuen und sich beschenken zu lassen. 

Auch in unserem eigenen Leben haben wir nicht alles in unseren Händen. Wir verdanken uns nicht uns selbst. Unser Dasein ist Geschenk vom Geber allen Seins, der uns jede Sekunde am Leben erhält. Ja, wir selbst sind uns als Geschenk gegeben, das wir in unserem Leben auspacken, zur Blüte und Frucht bringen dürfen – und für das wir uns bedanken sollten. Es ist gut, sich dies wieder neu vor Augen zu führen und jeden Tag für ganz konkrete Dinge, Ereignisse oder Personen in unserem Leben zu danken. Das kann unseren Blick auf das Leben verändern.

In der ersten Lesung hören wir, wie ein Winzer seine ganze Sorgfalt auf die Bestellung eines Weinbergs verwendet, doch dieser bringt nur saure Beeren hervor. Auch im Evangelium ist von einem Gutsbesitzer die Rede, der seinen gut bestellten Weinberg Winzern anvertraut, die ihm jedoch später nicht den rechtmäßigen Anteil an der Ernte geben wollen. Die Dankbarkeit für empfangenes Gut beinhaltet immer auch einen verantwortlichen Umgang mit dem Geschenk, sozusagen als Antwort auf das Vertrauen, das einem erwiesen worden ist. 

Unsere Texte fassen dies mit dem Bild von der Ernte. Ist nicht der Weinberg, der vom Gutsbesitzer mit Hingabe bestellt wurde, auch ein Bild für mein Leben? Und bin nicht auch ich wie die Winzer verpflichtet, dem Gutsbesitzer meines Lebens seinen Anteil zu geben? Was bringe ich an Ernte, an Früchten hervor? Welche Gaben, wie viel Zeit, welche Aufgaben sind mir anvertraut und wie nütze ich sie? Das sind ernste Fragen, die uns aber nicht in eine Art geistigen Leistungsdruck versetzen dürfen oder gar in Angst, dem Herrn der Ernte nicht genügen und die geforderten Früchte nicht hervorbringen zu können. 

Ja, Gott hat uns tatsächlich alles gegeben und er hat gerechterweise einen Anspruch auf unser ganzes Leben. Aber er behandelt uns nicht als Knechte, sondern als Freunde. Er ist die Liebe, die sich nach Gegenliebe sehnt. Seien wir dankbar für die vielen Geschenke der Liebe Gottes in unserem Leben. Versuchen wir, mit unserem Leben Antwort darauf zu geben, die sauren Beeren unseres Lebens in süße zu verwandeln und ihn und andere mit unseren Gaben zu erfreuen. Legen wir jeden Abend dankbar den vergangenen Tag als Ernte zurück in die Hände des Herrn. Und wann immer wir merken, dass wir nicht die erhofften Früchte gebracht haben – aus Bequemlichkeit, aus Furcht, aus falscher Schwerpunktsetzung – wie tröstlich ist es da zu wissen, dass wir auch mit unseren leeren Händen, mit unserer Schwäche und Unvollkommenheit, zu Gott kommen dürfen – und er sich über unser Kommen freut. 

Pia Sommer Kirchenzeitung Nr. 40 vom 27. Sonntag im Jahreskreis (zum Evangelium Mt 21, 33-42. 44. 43)


27. Sonntag im Jahreskreis

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 43 vom 25.10.2020

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