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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

10.03.2021

Die Hingabe an den, der sich hingegeben hat

Was muss der Mensch leisten, um die Liebe Gottes und das ewige Leben zu erlangen? Die heutigen Lesungstexte weisen uns auf diese wichtige Frage hin. Sowohl in der Lesung des Epheserbriefs wie auch im Evangelium hören wir, dass Gott für die Erlösung des Menschen bereits alles getan hat. Der Mensch muss sich im Christentum also nicht selbst erlösen. Wir müssen uns nicht durch eigene Leistung, durch besonderes Wissen oder herausragende Eigenschaften den Himmel verdienen und uns der Liebe Gottes würdig erweisen. Gott gab seinen einzigen Sohn, damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat.

Der Glaube ist hier als einzige Voraussetzung für die Erlangung des ewigen Lebens genannt. Damit ist allerdings nicht nur ein bloßes Fürwahrhalten von Glaubensaussagen gemeint, sondern eine ganz grundsätzliche Haltung. An Christus glauben heißt: anzuerkennen, dass nur Christus Erlösung und Frieden schenken kann. Es bedeutet, die eigene Schwäche zu ertragen, sich nicht darüber zu betrüben und sich ganz für seine Gnade zu öffnen. Letztlich ist mit diesem Glauben an Christus die vertrauensvolle Hingabe gemeint – an den, der sich auch ganz für mich gegeben hat.

Aus Gnade sind wir gerettet, so heißt es auch in der Lesung. Theoretisch wissen wir das, aber schon seit der frühen Christenheit gibt es Strömungen, die die Ansicht vertreten, der Mensch müsse etwas leisten, um sich die Liebe Gottes zu verdienen, was die Kirche stets verurteilt hat. Wenn wir ehrlich in unser Inneres blicken und die Motivationen für unser Tun reflektieren, dann werden wir bemerken, dass  auch in uns Spuren dieses Denkens vorhanden sind. Vollbringen wir nicht manchmal gute Taten oder verrichten Gebete oder sonstige Dinge, um in den Augen Gottes, der Mitmenschen oder vor uns selbst gut dazustehen, die schuldige Pflicht erledigt zu haben und so ein Anrecht auf den Beistand Gottes zu haben, statt als geliebtes Kind Gottes einfach auf Gottes Liebe zu antworten und zu handeln? Wie oft meinen wir, bei Gott etwas „gut“ zu haben bzw. fürchten wir, nicht erhört zu werden, wenn wir etwas Gutes unterlassen haben? Heute sind wir eingeladen, unsere Perspektive zu ändern. Es geht Gott nicht um Leistung, nicht um unsere Werke, sondern um unser Sein: Wir sind geliebte Kinder Gottes und aufgerufen, dementsprechend zu handeln. Es gilt, sich die innere Haltung eines geliebten Kindes anzueignen und nicht nur äußere Werke zu tun, denn Christus hat uns schon erlöst.

Heißt das nun, dass wir uns auf die faule Haut legen können, wenn Gott ohnehin schon alles getan hat? Dass es gleichgültig ist, ob wir beten, uns für andere einsetzen und uns bemühen, unser Leben nach den Geboten Gottes auszurichten? So zu denken, wäre ein Missverständnis. Es stimmt: Wir müssen uns die Liebe Gottes nicht verdienen. Gott liebt uns immer zuerst, nicht, weil wir gut sind, sondern weil er gut ist. Doch liegt es an uns, wie wir auf diese Liebe Gottes antworten. Was machen wir aus seinen Gaben? Wie begegnen wir unserem Nächsten, wenn wir die Liebe Gottes erfahren haben? Es geht darum, sich immer mehr als Kind Gottes zu erweisen – das in jedem Augenblick vom Vater die hierfür notwendige Kraft erhält.

Pia Sommer, Kirchenzeitung Nr. 11 vom 14. März 2021 - Evangelium: Joh 3, 14–21

 


Vierter Fastensonntag

Weitergehen von einer Erfahrung zur anderen, von einer Entscheidung zur anderen:
unaufhörlich sich selber loslassen, sterben, damit der neue Mensch werden kann –
das ist die Grundbedingung des Wachstums.
Mensch sein heißt Mensch werden; Christ sein heißt Christ werden.
Wir sind nie am Ziel; wenn unser Herz wach ist, findet es keine Ruhe,
bis es in dem ruht, der uns geschaffen hat.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 20 vom 16. Mai

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