Zum Inhalt springen

Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

19.03.2020

Die Liebe der ersten Stunde

Es ist mehr als beeindruckend, mit welcher Freude und Begeisterung oftmals Katechumenen auf ihre Taufe reagieren. Da spürt man plötzlich das, was man „die Gnade des ersten Augenblicks“ oder „die Liebe der ersten Stunde“ nennt. Ein Schulkind drückte dies einmal in seiner kindlichen Erlebniswelt so aus: „Als Sie mich getauft haben, da habe ich im Wasser Sterne gesehen!“ War es nur eine Licht-Wasser Spiegelung oder hat die Neunjährige vielleicht doch mehr gesehen? 

Lassen wir es offen. Mag sein, dass sie in diesem Moment eine leise Ahnung von dem bekam, was heute die zweite Lesung sagt: „Wach auf, du Schläfer, steh auf von den Toten und Christus wird dein Licht sein!“ Tatsächlich ist die Liturgie des vierten Fastensonntags stark vom Geheimnis der Taufe geprägt. Der Epheserbrief sieht die Taufe als Erleuchtung mit dem Licht Christi, für Juden wie für Heiden. Er erinnert aber auch uns, die schon Getauften, daran, unsere Liebe und Begeisterung für Christus neu zu aktivieren. Er lädt uns ein, die Blindheit unseres Herzens im Licht Christi anzuschauen und sehend zu werden.

Wie oft gehen wir wie blind an unseren Mitmenschen vorüber? Sind blind für ihre Freuden und Sorgen, blind für ihre Leiden und Schmerzen. Getauft sein aber heißt: Sehend werden für Gott und für den Nächsten. Der erste Schritt wäre, unsere eigene Blindheit anzuschauen. 

Ist nicht genau solche Blindheit das Problem all derer, die im Evangelium mit dem Blindgeborenen konfrontiert sind? All die angeblich Sehenden, gefangen in der Finsternis ihres eigenen Unglaubens, verhalten sich ziemlich aggressiv gegenüber dem Blindgeborenen. Er ist für sie sogar ein Sünder, sie beschimpfen ihn und verstoßen ihn aus der  Synagoge. Im Gegensatz dazu aber erkennt der vormals Blinde immer klarer, wer Jesus eigentlich ist: Er nennt ihn einen „Propheten“, schließlich „einen, der von Gott ist“. Bis sich ihm Jesus als „der Menschensohn“ offenbart und der Geheilte ihn „Herr“ nennt. 

Je stockblinder also seine Umgebung, umso klarer der Glaube des Geheilten. Durch Jesus erkennt er, wer Gott ist: Er ist einer, der Erbarmen schenkt und keiner, der auf Vergeltung sinnt. Der Geheilte wird sogar ein Jünger Jesu. 

Ob auch wir es jetzt in den heiligen 40 Tagen wagen, diesen Schritt zu tun? Weg von unserer Blindheit hin zum Herrn, zum Christus und Gesandten Gottes? Wir sind zwar schon in der Taufe zuinnerst von seiner heilenden Hand berührt. Wir sind gesalbt mit heiligem Chrisam Öl. Die Frage aber ist: Brechen wir in diesen Tagen auf, um sehend zu werden, wie der vormals Blinde? Wer diesen Schritt wagt, der sieht nicht nur „geheimnisvolle Sterne“, wie das Mädchen bei seiner Taufe. Der wird vor den Menschen selbst zum „Stern- und Lichtträger“ für den Herrn.  

Richard Distler, Pfr. i. R., Kirchenzeitung Nr. 12 vom 22. März 2020


Vierter Fastensonntag

 

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 39 vom 27.9.2020

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de

Bezugspreise (ab Jan. 2020):
Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 8,30 €
(7,15 € einschl. 7 % MWSt. + 1,15 € Zustellgebühr);
durch die Post monatlich 9,05 €;
Einzelnummer 2,10 €.