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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

26.01.2018

Die Macht der Gottesherrschaft

Unter den Fresken der Kirche in Illschwang in der Nähe von Amberg befindet sich auch ein Bild von einer Sage aus der Gründerzeit der Diözese. Der heilige Wunibald steht auf einem Felsen, und auf der anderen Talseite steht, ebenfalls auf einem Felsen, der Teufel. Beide liefern sich ein Duell, und zwar ein Predigtduell. Der Sieger ist Wunibald; er vertreibt mit seiner Predigt den Teufel.

Das ist eigentlich ein urbiblisches Thema. Jesus ist gekommen, um die Nähe der Gottes-herrschaft zu verkünden und das Böse in all seinen Formen zu überwinden. Er ist der Stärkere. So beginnt der Evangelist Markus das erste Auftreten Jesu in der Öffentlichkeit mit der Austreibung eines „unreinen Geistes“aus einem Mann in der Synagoge, wo Jesus lehrt. Jesus lehrt mit Vollmacht, das heißt mit der Autorität des Sohnes Gottes. „Ich weiß, wer du bist! Der Heilige Gottes!“ schreit der unreine Geist. Jesus ist der Überwinder dieser Mächte. Er erweist sich als der mit göttlicher Vollmacht ausgestattete Lehrer. Die Kräfte der Gottesherrschaft sind in ihm wirksam. Auch der Widerstand gegen das Kommen des Reiches Gottes ist bemerkbar. Ein heftiger Machtkampf entsteht zwischen Jesus und dem unreinen Geist.

Diese Geschichte vom ersten Auftritt Jesu in der Öffentlichkeit führt uns zu einem zentralen Anliegen der Urkirche und wohl auch der Kirche von heute. Die Kirche verkündet die Gegenwart der Gottesherrschaft inmitten einer Welt, in der Menschen ins Unheil verstrickt sind und vom Bösen bedrängt werden. Jesus besitzt eine Macht, die stärker ist als alles Unheil. Er befreit Menschen aus der Macht des Bösen.

Im Licht des Evangeliums ist das Böse nicht nur etwas rein Gedankliches, auch nicht nur etwas Innerpsychisches. Das Böse ist eine personale Wirklichkeit. Allerdings ist es ein Person-Sein, das nicht im Sinn unseres menschlichen Person-Seins zu verstehen ist. Was ist unter dem „unreinen Geist“ zu verstehen, der den Menschen versklavt? Gibt es heute noch Menschen, die von einem unreinen Geist besessen sind? Oder lässt sich dieser unreine Geist als psychotische Erkrankung erklären? Heinrich Schlier schreibt in seiner Schrift „Mächte und Gewalten im Neuen Testament“, dass diese Mächte in der Welt gleichsam „wesen“. Sie können sich einzelner Menschen bemächtigen, aber auch ganzer Gruppen. Sie sind anwesend in gewissen Zeitströmungen oder in allgemeinen Ideologien, die wie „Verblendungszusammenhänge“ wirken.

Der unreine Geist, von dem der Mann im Evangelium besessen ist, kann auf vielfache Weise auch im Leben des heutigen Menschen Gestalt annehmen, etwa in Formen der Selbstentfremdung. Menschen können so fremdbestimmt sein, dass sie nicht mehr Herr über sich selbst sind. Sie können in abgrundtiefe Verzweiflung stürzen oder sie können Sklaven einer Sucht werden. Es gibt viele andere Dinge, sogenannte „kleine Dämonen“, die unser Inneres in Besitz nehmen. Der Mensch kann sich nicht selbst besitzen! Entweder er gehört Gott oder er gehört anderen Mächten. Man kann beherrscht werden von Ängsten, von der eigenen Triebhaftigkeit, von der Gier nach Geld, von skrupellosem Karrierestreben, von Hass, Neid, Eifersucht.

„Das Reich Gottes ist nahe“, lautet die Botschaft des Evangeliums. In Jesus ist der Stärkere am Werk. Inmitten dieser Welt, in der das Böse uns bedrängt, ist ein Stärkerer da. Diese Macht begegnet uns in Jesus. Sein Geist macht stark, den Versuchungen zu widerstehen. Wir sollten oft daran denken, dass wir getauft sind. Denn durch die Taufe und durch ein Leben aus dem Glauben gehören wir Christus an. Ein lebendiger Glaube ist der beste Schutz gegen das Böse. Diese Kraft geht auch heute von Jesus aus. Im Heiligen Geist verleiht er uns diese Kraft und auch die Gabe der Unterscheidung. „Traut nicht jedem Geist“, heißt es im 1. Johannesbrief, „sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind.“

Pius Schmidt, Kirchenzeitung Nr. 4 vom 28. Januar 2018

 

Pius Schmidt wurde 1943 in Morsbach geboren. Nach einem Studium der Theologie und der Psychologie an der Uni Würzburg weihte Bischof Alois Brems ihn 1975 zum Priester. Nach Kaplansstellen in Allersberg, Pleinfeld und Nürnberg/Heiligste Dreifaltigkeit wirkte er ab 1979 als Subregens des Bischöflichen Seminars in Eichstätt. 1986 wurde er Spiritual der Niederbronner Schwestern im Kloster St. Josef in Neumarkt, 1995 zum Domvikar ernannt und Direktor des Diözesanexerzitienhauses Schloss Hirschberg. Nach einer Zeit als Pfarrer der Pfarrei Böhmfeld und als Seelsorger im Klinikum Ingolstadt wurde Schmidt 2009 Spiritual im Priesterseminar Eichstätt.

Lesungen zum 4. Sonntag im Jahreskreis

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 46 vom 18.11.2018

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