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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

13.04.2018

Die Osterbotschaft – schon immer eine Zumutung

Die Botschaft von der Auferstehung Jesu stelle für den modernen, von der Naturwissenschaft geprägten Menschen eine inakzeptable Zumutung dar, hört man oft sagen. Hinter dieser gängigen Behauptung verbirgt sich, unausgesprochen, die Unterstellung, frühere Generationen hätten sich mit der Botschaft von der Auferstehung leichter getan, weil sie naiver und unkritischer waren. 

Aber erinnern wir uns beispielsweise an die Rede des heiligen Paulus auf dem Areopag in Athen: Als er auf die Auferstehung der Toten zu sprechen kam, spotteten die einen offen darüber, und die andern winkten höflich ab: „Darüber wollen wir dich ein andermal hören“ (Apg 17, 32). Nur schon die bloße Vorstellung von der leibhaftigen Auferstehung eines Toten hielten die philosophisch gebildeten Griechen für dummes Zeug. Also stellte die Osterbotschaft für die Menschen immer schon eine Zumutung dar – nicht erst heute, in einer stark naturwissenschaftlich geprägten Zeit. 

Auch die Zeugen der Auferstehung Christi taten sich schwer damit. In den Osterberichten des neuen Testaments zeigen sie sich bei jeder Begegnung mit dem Auferstandenen von Neuem irritiert und schockiert. Im Evangelium des 3. Sonntags der Osterzeit wird das gleich zweimal betont: Als Jesus plötzlich in ihrer Mitte stand, „erschraken sie und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen“; „sie staunten, konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben“ (Lk 24, 37. 41). Diese Reaktion ist für uns besonders wichtig. Denn sie zeigt, dass wir es bei den Auferstehungszeugen nicht mit leichtgläubigen Fantasten zu tun haben, sondern mit bodenständigen und nüchternen Menschen. Ihre anfängliche Skepsis unterstreicht nur ihre Glaubwürdigkeit als Zeugen, ist daher für uns durchaus hilfreich und ganz bestimmt nicht tadelnswert.

Auch Jesus nimmt ihre Irritation ernst und geht darauf ein. Er zeigt ihnen seine Hände und Füße und bekundet seine leibhaftige Gegenwart, indem er sich sogar ein Stück gebratenen Fisch geben lässt und es vor ihren Augen isst. Drastischer kann die Leiblichkeit des Auferstandenen nicht betont werden. Aber man darf auch nicht übersehen, dass dieser Leib eine ganz andere Qualität hat und nicht mehr den natürlichen Gesetzen von Raum und Zeit unterworfen ist. Plötzlich ist er in ihrer Mitte, ebenso plötzlich entschwindet er. Genau das ist ja das Irritierende. Auferstehung ist nicht die Rückkehr in die Daseinsweise vor dem Tod, sondern die Umwandlung der irdischen Daseinsweise in eine überirdische. 

Dennoch ist die Leiblichkeit des auferstandenen Christus nicht irgendetwas Neues, sondern mit dem Leib des Gekreuzigten identisch. Das lässt Jesu Aufforderung erkennen: „Seht meine Hände und meine Füße an: ich bin es selbst.“ Seine Identität können die versammelten Augenzeugen nur feststellen, wenn diese Hände und Füße die Male der Nagelwunden des Gekreuzigten tragen. Das aber bedeutet: Mit seiner Auferstehung hat er sein irdisches Geschick nicht abgelegt. Vielmehr bekam sein irdisches Wirken, besonders seine Hingabe am Kreuz jetzt Ewigkeitswert. Seine Bindung an unsere Leiblichkeit, an die Materie ist unwiderruflich. Die leibhaftige Auferstehung Jesu ist Gottes größtmögliche Bejahung unseres irdisch-materiellen Daseins. Mithin das genaue Gegenteil zur Leibfeindlichkeit, jener Versuchung für die „Gebildeten“ aller Zeiten. 

Lorenz Gadient, Kirchenzeitung Nr. 15 vom 15. April 2018

Lesungen zum 3. Sonntag der Osterzeit am 15. April 2018

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 28 vom 15.07.2018

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