Zum Inhalt springen

Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

19.05.2021

Die Schocktherapie des Heiligen Geistes

Der Theologe, Priester und geistliche Erfolgs-Autor Henri Nouwen (1932-96) bemerkte etwa in seiner Lebensmitte, dass er sein geistliches Leben vernachlässigt hat. Und so zog er sich für ein Jahr in ein strenges Trappistenkloster zurück. Danach schrieb er den in viele Sprachen übersetzten Bestseller „Ich hörte auf die Stille“. In diesem Buch erzählt er von einem Ordensbruder, der als Koch in der Mönchsgemeinschaft fungierte. In seiner Küche hing ein vergilbtes Marienbild. Und unter dieses Bild hatte dieser Ordensmann geschrieben: „Lieber Gott, segne diesen Sauhaufen“.

Würde diese Aussage über die Ordenskommunität auch auf das aktuelle Erscheinungsbild unserer Kirche zutreffen? Wenn ich mir die Umfrageergebnisse zum Zustand unserer Kirche ansehe, dann ist das Bild vom Sauhaufen gar nicht so abwegig. Kommen wir nicht beim Glaubensbekenntnis ins Stottern, wenn wir beten: „Ich glaube an die heilige katholische Kirche“?

Oder um auf den Evangelientext von Pfingsten zu schauen: Waren die Jünger Jesu nach dem Karfreitag nicht so etwas wie ein Sauhaufen? Was waren sie doch, von Johannes abgesehen, für erbärmliche Feiglinge. Petrus hatte sogar einen Eid abgelegt: Auch wenn alle Jesus verlassen würden – er niemals! Und der Apostel Thomas fordert seine Kollegen auf: „Kommt, lasst uns mit Jesus nach Jerusalem gehen und dort leiden!“ Geben sich krisen- und leidensfest und hauen ab, tun so, als hätten sie Jesus nie zu Gesicht bekommen. Die sind ja nicht wegen einer gefährlichen Virenerkrankung in den Lockdown gegangen, sondern aus Feigheit und Angst.

Ich vermute ja, dass es Maria und die anderen Frauen waren, die diese Kerle wieder zusammengetrommelt haben. Maria spielte nicht die beleidigte Mama, weil diese Angsthasen Reißaus genommen hatten. Vielleicht wurden die Frauen sogar zu Ideengebern, die den Haufen wieder zusammenhielten. Zumindest werden sie eine große Rolle dabei gespielt haben. Vielleicht rufen wir diese Erfahrung nochmals ab, wenn es um die Rolle der Frauen in der Kirche geht ...

Und heute? Wir pfeifen auf dem letzten Loch, wir sind am Ende mit unserem Latein: Die staatlichen Behörden müssen neues Personal einstellen, um die Kirchenaustrittswilligen zu bedienen. Wir bekommen mehr Häme als Mitleid. Nötiger denn je haben wir eine Schocktherapie des Heiligen Geistes. Und so sauge ich die Worte der heiligen Theresia von Lisieux geradezu in mich auf, die sie in ihrem Tagebuch schreibt: „Je schwächer man ist, um so eher ist man geeignet für das Wirken dieses Heiligen Geistes.“ Wir brauchen heute dringender denn je eine Schocktherapie des Heiligen Geistes!

Zu Schreihälsen sind wir geworden, wenn wir rufen: „Heile, was verwundet ist. Erwärme, was erkaltet ist. Tränke, was da dürre steht.“ Ich habe keine Angst, dass wir Sünder sind, aber ich habe Angst, dass wir heil- und beratungsresistent sind. Ist der Heilige Geist nicht der beste Impfstoff, um das Virus „Kirchliche Depression“ zu besiegen? Und dieses Mittel ist göttlich garantiert und hat keine gefährlichen Nebenwirkungen. Obendrein erhält man es gratis, das heißt, ohne Krankenversicherung. Es ist ein Mittel, das an keine Altersstufe, Nation oder andere Bedingungen gebunden ist. Es gibt auch keine Liefertermine, es ist immer und überall frei verfügbar. Einzige Bedingung: Schreien!

Und jetzt lasse ich die Katze aus dem Sack: Gerade unsere Ohnmacht ist die beste Voraussetzung für Pfingsten! Wo der Leidensdruck am größten ist, da ist der Heilige Geist am nächsten.

P. Josef Lienhard, Nr. 21 vom 23. Mai 2021 - Evangelium: Joh 20, 19-23


Pfingsten am Tag

Der Heilige Geist ist das innerste Geheimnis Gottes und er ist die letzte, äußerste Gabe Gottes für die Welt. Er erneuert die Schöpfung von innen her, er lässt nichts so, wie es war. Wer an die Kraft dieses Geistes glaubt und um sein Kommen bittet, muss wissen, dass er die göttliche Unruhe herbeiruft.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 25 vom 20. Juni 2021

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de

Bezugspreise (ab Jan. 2021):
Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 8,80 €
(7,60 € einschl. 7 % MWSt. + 1,20 € Zustellgebühr);
durch die Post monatlich 9,55 €;
Einzelnummer 2,20 €.