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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

13.09.2019

Ein kräftiger Schub für eine neue Glaubensfreude

Freude und Begeisterung. Ist es nicht genau das, was der Kirche heute nottut? Es ist die Freude, die zu Nachbarn und Bekannten sagt: Freut euch mit mir, ich habe das eine Verlorene wiedergefunden. Oder die Freude, die den daheimgebliebenen Bruder auffordert: 

„Aber jetzt müssen wir uns freuen und ein fröhliches Fest feiern, denn dein Bruder war tot und lebt wieder!“ Es ist eine nahezu österliche Freude, die im Evangelium Verlorenes und Totgeglaubtes wieder zum Leben erweckt.

Ist der Kirche diese Freude abhandengekommen? Bräuchten wir nicht einen Mose, zu dem der Gott vom Sinai sagt: „Mose, geh, steig hinunter, denn dein Volk läuft ins Verderben! Dieweil habe ich vor, es zu einem großen Volk zu machen!“ Wiederum ist da Freude und Zukunft angesagt. Aber wann gibt es Freude und Zukunft? Ich denke dann, wenn wir uns für den jüngeren Sohn und nicht für seinen daheimgebliebenen Bruder entscheiden. Letzterer ist ohne Freude, weil er weder den eigenen Vater noch sein künftiges Erbe schätzt und liebt. Auch der Jüngere geht mit dem Erbe des Vaters wenig wertschätzend um. Aber im entscheidenden Moment, als er ganz am Boden ist, denkt er anders. Das tut er deshalb, weil er weiß, der Vater liebt ihn, obwohl er die ihm geschenkte Freiheit missbraucht und sein Erbe verspielt hat.

Freude und Zukunft gibt es durch Umkehr und Umdenken vom alten zum neuen Denken. Zur Freude führt, wenn wir im Schmerz über das Abhandengekommene die Suche nach dem Verlorenen niemals aufgeben. Das heißt, falls uns der eigene Glaube schon verloren gegangen ist, die Suche danach nicht aufgeben. Auch jene nicht aufgeben, die weggegangen und aus der Kirche ausgetreten sind. Auch sie sind uns wertvoll wie der jüngere Sohn dem Vater, wie die eine Drachme der Hausfrau oder wie das eine verlorene Schaf dem Hirten. Freude kommt auf, wenn wir unsere in „modernes Metall“ gegossenen Kälber wie Geld, Autos, Telefone und Klamotten als lediglich Zweitrangiges sehen. Sie kommt auf, wenn wir unsere Sehnsucht auf das eine Notwendige richten.

Das ist die Umarmung des Vaters und die Liebe des Sohnes. Es ist die Freude, die uns der Heilige Geist ins Herz gießt, wenn wir uns trotz Unterschiede gegenseitig achten und wertschätzen. Wenn wir einander verzeihen können, weil uns verziehen wird und wenn wir miteinander das Festmahl des Herrn, den Sonntag feiern. Immer dann spüren wir, wie wertvoll wir füreinander und für den Herrn sind. Immer dann bekleidet uns der Herr, wie den heimgekehrten Sohn, mit einem neuen Gewand. Er steckt uns den Ring väterlicher Liebe an den Finger und lädt uns ein zum Festmahl der Freude. Stellen wir uns vor, solche Freude und Begeisterung würde sich jetzt in der Kirche breitmachen! Ich denke, das wäre ein echter Neubeginn, ein Aufbruch in eine neue Zukunft und ein kräftiger Schub für eine neue Freude am Glauben. 

Richard Distler, Pfr. i. R., Kirchenzeitung Nr. 37 vom 15. September 2019


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