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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

05.08.2016

Einen Schatz bewachen

Jesus spricht von einem Schatz, der so wertvoll ist, dass man sogar sein ganzes Vermögen dafür gibt. Wir müssen uns eingestehen, die Kostbarkeit, von der Jesus spricht, müssen wir erst entdecken. Wie oft hört man die Frage: „Wozu hat er es gebracht?“ Die heute begehrten Schätze sind Erfolg, Anerkennung und Berühmtheit, nicht zuletzt das Vermögen. Sie können aber sehr brüchig sein. In den Tagen, als die Schlagzeilen von der großen Finanzkrise voll waren, wurde von einem Mann berichtet, der sich das Leben nahm, weil er von seinen fünf Milliarden zwei verloren hatte. Es gibt zwei Seiten, den Wert menschlichen Lebens einzuschätzen. Die eine fragt: Was kommt dabei heraus? Was habe ich gewonnen, das ich vorzeigen kann? Es ist der Maßstab, der wie selbstverständlich als der einzige gilt. Die andere Seite lautet: Was kommt dabei herein? Wie bin ich bei allem Erfolg oder Misserfolg, bei allem Mühen geworden? Gelassener, gütiger, froher, zufriedener, jemand, den man gerne aufsucht, der Freude, Zuversicht und Hoffnung ausstrahlt  oder jemand, der enttäuscht, verbittert, vereinsamt, seinen Angehörigen und sich selbst zur Last geworden ist? In diese Richtung müssen wir denken, wenn Jesus vom Schatz im Himmel spricht, wo auch das Herz ist. Denn der Himmel ist in dir, sagt der Mystiker Angelus Silesius. Menschen, die auf diesen Schatz stoßen, sagen: „Es war die Entdeckung meines Lebens. Seitdem ist alles anders. Es ist, als ob ich erst jetzt zum vollen Leben erwacht wäre, als ob ich vorher geschlafen hätte. Erst jetzt lohnt es sich zu leben!“ Dafür gibt es ein Zeugnis der frühen Christen: „Wach auf, der du schläfst, steh auf von den Toten und Christus wird dich erleuchten“ (Eph 5,14). So war es auch beim  heiligen Franziskus. Seine Leidenschaft, radikal arm zu sein, wäre pure Selbstquälerei, wenn er nicht das Wunderbare der Begegnung mit Gott entdeckt hätte. Auf einem nächtlichen Heimweg wurde er von der Unendlichkeit Gottes berührt. Das hat ihn getroffen und verwandelt. Alles,  was er bisher für wichtig und  begehrenswert  gehalten hatte: den Wohlstand des Vaters, mit vollen Händen Geld auszugeben, zu feiern und sich feiern zu lassen, selbst eine Burg zu besitzen, die große Karriere als Ritter – all das brach weg. Er ist hingerissen von einer ganz neuen Dimension seines Lebens, sodass alle anderen Begehrlichkeiten verblassen. Er hat erfahren, dass er umso mehr in Freude eingetaucht wird, je mehr er sich von dem löst, was ihn festhält. Er hat die größte Kostbarkeit gefunden. Um die geht es, wenn Jesus zum Wachsein mahnt.  Sie muss bewacht werden, sonst geht sie verloren. Was wir aufbringen müssen, ist eine hohe Aufmerksamkeit für das, was uns im Innersten berührt und unser Leben erhöht, für jene Quelle in uns, aus der wir unmittelbar die Kraft Gottes schöpfen.

Pater Guido Kreppold, Kirchenzeitung vom 7. August 2016

P. Guido Kreppold OFMCap wurde 1939 geboren. Der Ordenspriester und Diplompsychologe war unter anderem als Religionslehrer und Jugendseelsorger im Einsatz. Seit Ende der 1970er-Jahre hat er sich als Prediger, Referent und Autor einen Namen gemacht. Nach Lebens- und Arbeitsstationen in Mainburg, Würzburg, Aschaffenburg und Augsburg, wirkte der Kapuziner mit dem Themenschwerpunkten therapeutische Seelsorge und spiritueller Bildung in Eichstätt und seit 2012 in Ingolstadt.

Lesungen zum 19. Sonntag im Jahreskreis am 7. August 2016

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 42 vom 20. Oktober 2019

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