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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

05.12.2018

Es geht immer um das eine große Geheimnis

Foto: pixelio/Uschi Dreiucker

Foto: pixelio/Uschi Dreiucker

Wer in diesen Tagen mit dem Auto unterwegs ist, macht oft die Erfahrung, dass dichter Nebel plötzlich die Sicht behindert. Meternahe Bäume und Sträucher werden zu kaum erkennbaren Schatten. Die ganze Landschaft ist in Nebel gehüllt. Nur das vom Scheinwerferlicht erleuchtete Stück Straße ist sichtbar. Und dann, einige hundert Meter weiter, hat sich die Nebelwand aufgelöst. Man sieht wieder alles im hellen Licht.

Die Schritte aus der Grauzone ins helle Sonnenlicht sind ein Gleichnis für Vieles, was im Leben passiert. Oft fühlen wir uns wie im Nebel. Man sieht nicht mehr, wie es weitergeht. Der Sinn des ganzen Lebens scheint verdunkelt zu sein. Und wenn man auf das Leben der Anderen schaut, scheint es ähnlich zu sein. Der Tod von lieben Angehörigen steht einem vor Augen. Ihre Lebensspur verliert sich wie im Nebel.

Auch die Adventszeit ist von der Symbolik von Dunkel und Licht geprägt. Das Leben ist manchmal wie ein Wandern im Nebel. Dunkelheit prägt noch unser Leben. Aber es gibt Lichter. Deshalb zünden wir im Advent gerne Kerzen an. Sie sind Symbole für jenes große Licht, das Gott in unserer Welt entzündet hat. Im Adventslied besingen wir es: „Die Nacht ist schon am Schwinden, macht euch zum Stalle auf. Ihr sollt das Heil dort finden ...“ (GL 220). Eigentlich ist jetzt schon alles klar, was noch wie im Nebel scheint. Einst wird alles Dunkel schwinden, wenn dann der Advent unseres Lebens kommt. Lässt sich das, was wir im Advent feiern, noch den Menschen unserer säkularen Welt vermitteln? Der Sinngehalt des Advents ist vielfach zugedeckt. Es ist wie mit einem wertvollen alten Gemälde, das mit vielen Farbschichten übermalt ist, sodass das ursprüngliche Gemälde nicht mehr erkennbar ist. Die Übermalung muss wieder Schicht für Schicht abgetragen werden, damit das ursprüngliche Gemälde sichtbar wird. Das Kirchenjahr ist ein Weg, um dem Kern wieder näher zu kommen.

Mit dem ersten Advent beginnt wieder ein neues Kirchenjahr. Von Anfang an haben die Christen durch die Feier des Kirchenjahres und durch die dazugehörenden Katechesen den Glauben gelernt. Auf diesem Weg sind sie in den Glauben hineingewachsen. Die Feier des Kirchenjahres ist wie das Herumkreisen um ein und dasselbe Geheimnis. Jedes Jahr kommt man dem Kern etwas näher. Es ist wie mit einer Spirale. Sie dreht sich immer um denselben Kern. Aber jedes Jahr scheint man der Mitte dieser Spirale näher zu kommen. Geheimnisse kann man nicht knacken, so wie man ein Rätsel knackt. Geheimnisse müssen sich einem allmählich erschließen. Sie erschließen sich auch durch das Kirchenjahr. Die biblischen Lesungen, die Gebete, Lieder, auch die vielfältigen Bräuche der Volksfrömmigkeit helfen, zum Kern zu finden. Was ist der Kern des Advent?

Die Botschaft des Advents lässt sich nicht trennen vom übrigen Kirchenjahr. Es geht immer um das eine große Geheimnis des christlichen Lebens. Die Theologie nennt es das „Kerygma“: Jesus, der Sohn Gottes, ist aus Liebe zu uns Mensch geworden. In ihm ist der unendliche, ewige, unerreichbare Gott in unsere Welt eingetreten. „Der Sohn Gottes hat sich in seiner Menschwerdung gewissermaßen mit jedem Menschen vereinigt“ (Vat.II, LG). Er hat sein Leben für uns hingegeben, damit wir frei werden von der Sünde und Gemeinschaft haben mit dem dreifaltigen Gott. Im Advent feiern wir wieder seine Ankunft. Als Auferstandener Christus ist er lebendig und jeden Tag an unserer Seite, um uns zu erleuchten, zu stärken und uns zu befreien. Ein Gelehrter des 19. Jahrhunderts legt Christus 

ähnliche Worte in den Mund wie diese: „In meiner Menschwerdung dachte ich an dich. In meiner Todesstunde liebte ich auch dich. Mein Blut habe ich auch für dich vergossen. Ich bin dein Hirte, dein Retter, dein Freund, der dir seine Freundschaft anbietet.

Pius Schmidt, Kirchenzeitung Nr 48 vom 2. Dezember 2018

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 3 vom 20.1.2019

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