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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

14.04.2021

Für den Alltag Kraft aus dem Glauben finden

Wie schwer fällt es uns manchmal zu glauben! Und es sind ja beileibe auch keine Kleinigkeiten, zu denen wir uns als Christen bekennen – man denke nur an die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, die wir in ihrem ganzen Realismus glauben. Wie tröstlich ist es da, wenn wir hören, dass auch die Jünger und die Apostel Schwierigkeiten mit dem Glauben hatten, obwohl sie Jesus gut kannten und seine Wunder miterlebt hatten.

Zunächst werden uns im heutigen Evangelium erneut die nach Jerusalem zurückgekehrten Emmausjünger vor Augen gestellt. Angesichts des scheinbaren Scheiterns Jesu am Kreuz hatten sie an Jesus gezweifelt, sich von der Gemeinschaft der anderen Jünger enttäuscht abgewendet und von Jerusalem entfernt. Diese Emmausjünger berichten nun den anderen Jüngern, dass Jesus gemeinsam mit ihnen in die „falsche“ Richtung mitgegangen war, sie bekennen sich zu ihrer Blindheit, da sie Jesus auf dem Weg nach Emmaus nicht erkannten und sie erzählen von ihrer Begegnung mit Jesus und ihrem brennenden Herzen. Wie viel Trost und Licht gibt auch uns ihre Erzählung, gerade das Eingestehen ihres Unglaubens und ihrer Schwäche. 

Auch die weitere Erzählung des Evangeliums über die Erscheinung des Auferstandenen vor den Aposteln ist für diese wenig schmeichelhaft. Die Apostel hatten schon von mehreren Personen von der Auferstehung Jesu erfahren – und glaubten nicht. Schließlich erscheint Jesus auch ihnen: Sie dürfen ihn berühren und sich sozusagen mit den Sinnen vergewissern – und selbst dann können sie nicht glauben, dass Jesus auferstanden ist und lebt. Sie brauchen mit dem Essen des Fisches sozusagen noch einen weiteren „Beweis“. Und Jesus geht auf ihre Zweifel ein.

Das heutige Evangelium zeigt uns auf eine zartfühlende Weise, mit welcher Geduld Jesus uns auf unserem Glaubensweg begleitet. Jesus hat Verständnis für unsere Zweifel und unsere Unsicherheiten. Schritt für Schritt begleitet er uns auf dem Weg und hilft uns, im Glauben an ihn zu wachsen. Jesus lässt sich berühren und erfahren. Doch manchmal bittet er uns, nicht nur in Worten zu glauben, sondern in der Tat. Jesus bittet die Apostel um etwas zu essen, um zu beweisen, dass er kein Geist ist, wie die Apostel denken. Und die Jünger geben ihm etwas, ungeachtet ihres Glaubens, dass ein Geist ja nicht essen kann. Sie glauben durch die Tat, trotz allen Zweifels. Und so bittet Jesus auch uns, in der Tat zu glauben, selbst wenn wir noch zweifeln.

Noch ein weiteres können wir aus dem Evangelium entnehmen: Jesus hat genau diese zweifelnden und ängstlichen Jünger dazu berufen, seine Botschaft in die Welt zu tragen – nachdem sie am Pfingstfest vom Heiligen Geist erfüllt worden sind. Auch wir müssen nicht schon perfekt und vollkommen im Glauben sein. Vielleicht können die heutigen Erzählungen über die Schwächen und den Unglauben der Jünger auch für uns eine Ermutigung sein, anderen von unseren Erfahrungen und Begegnungen mit Jesus zu erzählen: in der Familie, bei Freunden oder in einem anderen Gespräch. Vielleicht warten gerade jetzt Menschen auf unser Zeugnis, wie wir in unserem Alltag die Freundschaft mit Gott pflegen, wie wir die Heilige Schrift lesen, welche Worte uns darin wichtig geworden sind und wo und wie wir Kraft aus dem Glauben im Alltag finden können.

Pia Sommer, Kirchenzeitung Nr. 16 vom 18. April 2021 - Evangelium: Lk, 24, 35-48


Dritter Sonntag der Osterzeit

Sich bekehren heißt sich Gott zuwenden, und seit Ostern: an Christus glauben. Diese Bekehrung, so meinen wir oft, liegt hinter uns. Wir haben gesagt: Ich glaube. Wir haben es in der Osternacht neu gesagt. Aber das Taufbekenntnis ist auch ein Taufversprechen, und wir haben Mühe, das Versprechen in unserem täglichen Handeln umzusetzen. Bekehrung bedeutet tägliche Veränderung.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 20 vom 16. Mai

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