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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

18.10.2019

Ganz bei den Menschen – ganz bei Gott

Im Buch Exodus (die 1. Lesung, die das Kalendarium für die Kirchen vorsieht, die den heutigen Jahrestag der Kirchweihe an einem anderen Tag feiern), ist eine markante Geschichte aus der Zeit des Einzugs Israels in das verheißene Land überliefert.

Das Volk der Amalekiter bedroht Israel, zettelt einen Krieg an. Da überlegte Mose, was er machen soll. Er sagte zu seinem Vertreter Josua: „Wähl uns Männer aus, und zieh in den Kampf gegen Amalek!“ Josua tut, was ihm Mose aufträgt und bereitete sich für den Krieg vor. Mose selbst machte etwas anderes. Er nimmt zwei Männer mit sich, Aaron und Hur, und steigt mit ihnen, den Gottesstab in der Hand, auf den Gipfel eines Hügels, um dort für die Kämpfer zu beten. Die einen kämpfen an vorderster Front, die anderen beten auf dem Berg. Nicht aus Feigheit flieht Mose vor dem mit seinem Volk verbunden. Er kämpfte aber auf einer anderen Ebene und an einer anderen Front. 

Warum war er nicht direkt am Kampf beteiligt? Weil er wusste, dass die Siege im Leben nicht aus eigener Kraft errungen werden können. Einerseits war er ganz solidarisch mit seinem Volk, war Schulter an Schulter mit den Menschen; gleichzeitig war er ganz bei Gott und lebte vor seinem Angesicht. 

Beten ist nicht immer ein harmloses Gespräch mit Gott. Manchmal ist das Gebet ein inneres Ringen. Es gleicht einem Kampf. Einen solchen Kampf focht Mose auf dem Berg aus. Es heißt: „Solange Mose die Hände erhoben hielt, war Israel stärker; sooft er aber die Hände sinken ließ, war Amalek stärker.“ Das ist ein Bild für die betende Kirche. 

Es passt gut zum heutigen Kirchweihfest. Auch die Kirche hat die Aufgabe, allezeit im Gebet für die Menschen einzutreten. Die Kirche ist einerseits ganz bei den Menschen, Schulter an Schulter, mit ihnen solidarisch in all ihren Kämpfen. Sie ist aber andererseits auch ganz bei Gott. Das Gebet ist ein Mitkämpfen für die ihr anvertrauten Menschen. 

Auch heute gehört der Gebetsgeist zum Leben der Kirche dazu. Er ist geradezu ein Kennzeichen ihrer Lebendigkeit. Aber die Geschichte des betenden Mose auf dem Berg zeigt, dass dies kein leichter Dienst ist. Mose wurden die Hände schwer, er wurde müde. Diese Erfahrung kennt jeder Beter auch heute. Auch treue Beter brauchen immer wieder Hilfe und Stütze für den Gebetsdienst. „Als dem Mose die Hände schwer wurden, holten sie einen Steinbrocken, schoben ihn unter Mose, und er setzte sich darauf. Aaron und Hur stützten seine Arme, der eine rechts, der andere links, sodass seine Hände erhoben blieben, bis die Sonne unterging. So besiegte Josua mit scharfem Schwert Amalek und sein Heer.“ 

Es fällt auf, dass nicht Josua den Sieg herbeiführte, sondern Mose mit seinen erhobenen Armen, zusammen mit seinen Helfern, ohne die er die Anstrengung rein physisch nicht bewältigt hätte. Aber eigentlich war es auch nicht Mose, der den Sieg herbeiführte, sondern Gott selber, dessen Macht angerufen wurde. Sie hat den Ausgang der Schlacht bewirkt. Mose weiß, dass alle Macht in Gottes Hand liegt. 

Von dieser Gewissheit ist auch das Gebet der Kirche heute erfüllt. Die heilige Karmelitin Therese von Lisieux, die Patronin der Missionare, sagt: „Ich sah, dass die Kirche ein Herz hat und dass dieses Herz von Liebe brennt. Ich sah ein, dass die eine Liebe die Glieder der Kirche zur Tätigkeit antreibt, und wenn diese Liebe erlischt, keine Apostel mehr das Evangelium verkünden und keine Märtyrer mehr ihr Blut vergießen werden.“

Pius Schmidt, Pfr. i. R., Kirchenzeitung Nr. 42 vom 20. Oktober 2019 - Kirchweih

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 28 vom 12.7.2020

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