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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

17.05.2019

Geistlich über unsere Verhältnisse leben

Foto: Erich Kraus

„Seht ich mache alles neu“: Wir, ein Volk, und er, mitten unter uns – wir haben in Wirklichkeit noch keine Vorstellung davon ... Foto: Erich Kraus

Die heutigen Lesungen sind reich. Sie erzählen uns viel von unserem Glauben. In der Apostelgeschichte erfahren wir, dass Paulus und Barnabas „Presbyter“, wörtlich heißt das „Älteste“, durch Handauflegung zu Priestern geweiht haben. In der Offenbarung des Johannes wird das Neue Jerusalem geschildert als Wohnung Gottes unter den Menschen. Im Evangelium sagt uns Jesus, dass wir als Christen erkannt werden sollen an unserer selbstlosen Liebe. Und die hat er uns vorgelebt.

Das also macht unsere Kirche aus, dass wir in der Apostelnachfolge zum Wort Gottes stehen, dass wir auf diese Weise eine neue Gesellschaft werden, ein Herz und eine Seele, „mystischer Leib des Herrn“, das „Neue Jerusalem“, dass wir so das Wesen Gottes leben wie Jesus es getan hat. Wir wissen nur zu gut, dass dieser Anspruch weit über unsere Möglichkeiten hinausgeht. Letztendlich aber schafft das Jesus für uns. Die Vollendung wird das Himmelreich sein. Aber wir sollen, können und dürfen jetzt damit anfangen. 

Der Schweizer Theologe Hans Urs von Balthasar hat das als „ernstes Spiel“ gesehen. Als Papst Johannes Paul ihn zum Ehrenkardinal machen wollte, verstarb er 1988 im 83. Lebensjahr. Mit dem großen protestantischen Theologen Karl Barth hatte er vierhändig Klavier gespielt und 1952 „Die Schleifung der Bastionen“ geschrieben. Später verließ er den Jesuitenorden aus Protest gegen dessen Verweltlichung. Die Geschichte von Gott und den Menschen sah er in seiner Kunstbegeisterung als Bühnengeschehen: „Die Offenbarung aber ist in ihrer ganzen Gestalt im Großen wie im Geringen dramatisch. Sie ist die Geschichte eines Einsatzes Gottes für seine Welt, eines Ringens zwischen Gott und Geschöpf um dessen Sinn und Heil.“ Wir stehen also auf der Bühne, „on stage“. Es blicken nicht nur Myriaden Menschen- und Engelaugen auf dieses Spiel, sondern Gottes Auge schaut es an. Das Spiel ist ernst und der Schluss bekannt. Werfen wir uns also in dieses Spiel, um mehr als um Leben und Tod, werfen wir uns in dieses Spiel der Liebe, der lenkenden, zusammenführenden, selbstvergessenen, sich verschwendenden und immer wieder neu anfangenden Liebe unseres barmherzigen Christus, der mit seinem Tod und Leben beim Vater einsteht für uns im Heiligen Geist.

Alois Loeßl, Kirchenzeitung Nr. 20 vom 19. Mai 2019

Fünfter Sonntag der Osterzeit

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 42 vom 20. Oktober 2019

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