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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

22.12.2017

Göttliche Lichtblicke

Die Verkündigung des Engels an Maria – Eine Darstellung eines von 18 Tafelbildern aus dem späten 15. Jahrhundert. Foto: Archiv

Die Verkündigung des Engels an Maria – Eine Darstellung eines von 18 Tafelbildern aus dem späten 15. Jahrhundert. Foto: Archiv

So dürfte es Maria ergangen sein: „heute kam das licht / plötzlich ins haus geschneit/ (...) hat sich breit gemacht / stand auf den stufen / als hätte es post gebracht / und käm wie gerufen“, heißt es in einem Gedicht von Hermann Wallmann.

Weihnachten – die Überraschung pur! Nach Plan lief da gar nichts. Und neun Monate vorher auch nicht. Das macht der Engel der jungen Frau klar: Jesus, kein Wunschkind von zwei Verliebten, kein Designerbaby. Keiner hat mit ihm gerechnet. Und doch kam es zur Welt, weil Gott es wollte! Dieses Kind verdankt sich nicht irgendeiner menschlich-männlichen Potenz, sondern allein der „Kraft des Höchsten“, der sich auch die Schöpfung der Welt verdankt.

Gott, der die Welt erschaffen hat ohne uns, wollte kein Erlösungswerk ohne uns, so die Kirchenväter. Dafür steht Maria. Anders als die Superheldin Diana im Film „Wonder Woman“ vom Sommer dieses Jahres. Darin kämpft die Tochter des Göttervaters Zeus gegen das Böse und rettet die Menschheit vor dem bösartigen Kriegsgott.

Ganz anders ist der Beitrag Marias zur Rettung der Welt: mit ihrem Ja stimmt sie für die Menschheit dem göttlichen Rettungsplan zu. Dieses scheinbar passive Ja erweist sich als freie, aktive Mitwirkung am Rettungsplan Gottes, der, um das Böse zu besiegen, in Jesus ganz das Menschenschicksal teilt. Er ist „Sohn des Allerhöchsten“ gerade dadurch, weil er Hass und Tod auf sich nimmt.

Die Stunde der Engelsbotschaft führt zur Wende des Weltgeschehens: „Ein Augenblick der Erdenzeit wird Angelpunkt der Zeiten“ (GL 528, 2). Maria wird dadurch zu einer echten „Wonder Woman“, zu der „Wunderbaren Frau und Mutter“, „vor aller Zeit“ dazu erwählt und jetzt gerufen. Nicht als Superheldin, sondern als Zugang, als Einfallstor Gottes zur Menschheit, hebt sie den Größenwahn des Menschen auf durch ihr „Mir geschehe“: „Maria, du hast Ja gesagt zu Gottes Ruf und Gnade. Den ganzen Weg hast Du gewagt; begleite unsre Pfade, dass ihn, den du empfangen hast, auch unser Herz mit Freude fasst und Raum gibt seiner Liebe“ (GL 528, 3).

Eltern, die überwältigt werden von dem, was andere in ihrem Kind kommen sehen, das ist die Szene des Evangeliums am Fest der Heiligen Familie. Simeon und Hanna (Sehen Alte mehr?), sie sehen die Verheißung Gottes in diesem Kind erfüllt. Jesus als der, der Licht in die Dunkelheit der Menschen bringt und ihren Weg erleuchtet. Und Maria? Diese „Wonder Woman“ führt nicht das Schwert im Kampf gegen das Dunkle und Böse. Vielmehr wird „ein Schwert durch ihre Seele dringen“. Maria wird sich unter dem Kreuz wieder finden, weil sich an Jesus die Geister scheiden werden. Und dennoch ist dieses Kind der ersehnte Lichtblick: „ein Licht, das die Heiden erleuchtet“. Der heidnische Hauptmann bezeugt es unter dem Kreuz: „Dieser ist Gottes Sohn!“ und „Herrlichkeit für Israel“. Diese Herrlichkeit („kabod Jahwe“) wird sich erweisen als österliches Licht.

Dompropst Isidor Vollnhals, Kirchenzeitung Nr. 52/53 vom 24. Dezember 2017

Lesungen zum 4. Adventssonntag

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 21 vom 27.05.2018

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