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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

09.09.2016

Gottes Freude: das Vergeben

Gleich drei Gleichnisse werden uns im Evangelium des 24. Sonntags im Jahreskreis verkündet. Die große Fülle der verwendeten Bilder „zwingt“ dazu, uns nicht auf Details, sondern auf den „roten Faden“ zu konzentrieren: anhand des Gegensatzes von Verlieren und Finden und des Motivs der (Mit-)Freude können diese drei „Gleichnisse der Barmherzigkeit“ (Papst Franziskus) uns helfen, zu verstehen, wer Gott und wer der Mensch ist.

Wer ist Gott? Nicht nur das Evangelium, sondern alle Schriftlesungen dieses Sonntags sprechen von Gottes Erbarmen als der Eigenschaft, die dem Menschen Zugang zum innersten Herzen Gottes verschafft: Mose appelliert an das Herz Gottes, das auch dann nicht für sein Geschöpf zu schlagen aufhört, wenn er erleben muss, dass das Volk den Bund mit ihm praktisch aufkündigt hat und er es in die Verbannung schicken muss. Paulus zeigt sich selbst als ein reines Produkt des göttlichen Erbarmens. Jesus schließlich offenbart Gott als den, der das Verlorene sucht und ihm nachgeht, bis er es findet, als den, der die Wege sucht, auf denen der Verlorene zu ihm zurückfinden kann. Er stellt uns Gott vor im Bild eines guten, nachgehenden Hirten, einer unermüdlich suchenden Frau sowie eines geduldigen, die Freiheit respektierenden und sich dabei selbst immer treu bleibenden Vaters.

Jesus verkündet uns in Tat und Wort den barmherzigen Gott, der Mitleid hat mit den Menschen, die sich selbst verloren haben, die innerlich abgestorben sind, die sich selbst entfremdet haben. Gerade das Vergeben ist nach Papst Franziskus die Freude Gottes und die Barmherzigkeit „die wahre Kraft, die den Menschen und die Welt vor dem ‘Krebsgeschwür’ retten kann, das die Sünde ist“.Im Bußsakrament können wir mit unserem Leben immer wieder neu anfangen: Gott nimmt uns an und gibt uns die Würde seiner Kinder zurück.

Und der Mensch? Für Papst Franziskus ist jeder Mensch „jenes verlorene Schaf, jenes verlorene Geldstück, (...) jener Sohn, der seine Freiheit vergeudet hat, falschen Götzen, Blendwerken des Glücks, gefolgt ist und alles verloren hat“. Das müssten wir anerkennen. Aber eine der größten Gefahren für den Menschen bestehe darin, „dass wir uns für gerecht halten und über die anderen urteilen. Wir urteilen auch über Gott, weil wir denken, dass er die Sünder züchtigen, zum Tod verurteilen sollte, statt ihnen zu vergeben“. Solches Urteilen zeugt aber von unserer eigenen Hartherzigkeit. Im älteren Bruder sind auch die Schattenseiten unseres Lebens beschrieben, die sich oft genug hinter einer frommen Fassade verstecken (Anselm Grün).

So sind die drei Gleichnisse eine große  Anfrage an jeden einzelnen: Sie wollen uns – so Anselm Grün – zwingen, Stellung zu beziehen. Wenn ich mich wirklich auf sie einlasse, komme ich nicht an der Frage vorbei, wo ich mich in meinem Leben verrannt oder mich gar selbst verloren habe. Gerade das Gleichnis vom barmherzigen Vater und seinen zwei verlorenen Söhnen möchte uns aber auch im Herzen bewegen, uns immer wieder neu auf den Weg zum Vater zu machen, dorthin, wo wir wahrhaft zu Hause sind, dorthin, wo die Freude des Vaters herrscht, die das Leben aller Menschen erfüllen will!

Michael Wohner, Kirchenzeitung vom 11. September 2016

Michael Wohner wurde 1982 in Schwabach geboren. Nach dem Theologiestudium in Eichstätt verbrachte er den zweijährigen Pastoralkurs in der Pfarrei Berching. 2008 wurde er zum Priester geweiht und war danach fünf Jahre lang Kaplanin Weißenburg. Während dieser Zeit besuchte er, nach der abgeschlossenen zweiten Dienstprüfung, als "externes Mitglied" das staatliche Studienseminar für katholische Religionslehre in Ingolstadt. Seit September 2013 arbeitet er in den Pfarreien Treuchtlingen und Möhren mit, gibt weiterhin Religionsunterricht und ist mit einem weiterführenden Studium im Bereich Religionspädagogik beauftragt.

Lesungen zum 24. Sonntag im Jahreskreis am 11. September 2016

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 42 vom 20. Oktober 2019

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