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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

22.03.2019

Herrschaftsportal und Gnadenpforte

Jesus weist im heutigen Evangelium darauf hin, dass wir vor Gottes Heiligkeit alle verschuldet dastehen und Grund haben, umzukehren.

Was hat es mit der Heiligkeit Gottes auf sich? Da kreuzt unser Erdball als überdimensionale Titanic schon über dem Eisberg, und wir sollen uns mit Heiligkeit beschäftigen! Möglicherweise aber ist Heiligkeit die Seenotrettung. Wir können ja mit empfänglichen Sinnen das Kunstwerk einer Blüte betrachten oder die gewaltige Syntheseleistung eines Baumes bewundern. Die Heiligkeit des Schöpfers ahnen wir. Spüren wir aber auch seine absolute Andersartigkeit? Spüren wir unsere eigene Heillosigkeit?

Mose nähert sich dem Dornbusch mit Neugier: Da brennt etwas und verbrennt nicht. In der Annäherung an dieses nicht erwartete Phänomen, sieht er sich plötzlich erkannt und beim Namen gerufen. So ist das mit dem Heiligen. Wenn wir ihm begegnen, dann sind wir durchschaut, wir stehen mit nackter Seele vor Gott. Wo wir das Heilige erfahren, brauchen wir Distanz zum Überleben, damit wir nicht verkohlen wie Fliegen in der Flamme. Jedoch, unsere Ehrfurcht hat den Fall der Chorschranken nicht überlebt. In dem Maß, in welchem wir die Herrlichkeit Gottes schauen, muss uns der eigene Zustand entsetzen: „Wer aber zu stehen meint, der gebe acht, dass er nicht fällt.“

Wenn wir meinen, nicht mehr beichten zu müssen, dann beweist das nur, wie weit Gott uns schon entschwunden ist. Der Neurologe Raphael Bonelli hat als Psychotherapeut eine fast flächendeckende Schuldverdrängung diagnostiziert, die die sexuelle Verdrängung nach Sigmund Freud ersetzt. Und doch zieht uns Gott mit unendlicher Liebe und Barmherzigkeit an sich heran.

Wagen wir den Eintritt in den Beichtstuhl, wagen wir diese Demut, es gibt kein Herrschafts-Portal zum Himmel, nur die Gnadenpforte steht uns offen. Unser Erlöser selber kam über den Dienstboteneingang in die Welt, stieg in den Jordan und auf den Felsen Golgotha als Büßer unseres Versagens und unserer Schuld. Er endete sein Menschenleben ermordet. Aber jetzt erwartet er in auferstandener Herrlichkeit unseren gebeugten Aufstieg zu ihm. Und wie der Gärtner hat er Geduld mit uns. Lasst uns Busse tun.

Alois Loeßl, Kirchenzeitung Nr. 12 vom 24. März 2019

Dritter Fastensonntag

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 16 vom 21. April 2019

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