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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

28.04.2021

Ich bin zum Fruchtbringen bestimmt!

Im Johannesevangelium erfahren wir heute, dass Jesus sogar das Herz des Menschen als Wohnsitz aussucht: „Wie die Rebe nicht von sich aus Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viele Frucht“ (Joh 15, 4ff)

Und jetzt diese Steigerung: „Ich will bei dir wohnen!“ Er will zusammen mit mir ineinem Appartement wohnen. Jesus und ich bilden eine Wohngemeinschaft. Irgendwelche Berührungsängste hatte Jesus ohnehin nicht. Ja, er sorgte für Aufsehen, weil sein Umgang mit den Menschen (er gibt sich sogar mit Sündern ab und isst mit ihnen!) die Pharisäer und Schriftgelehrten zur Verzweiflung brachte. Weil er die Prioritäten anders setzte, brachte er die Frömmigkeitsmaßstäbe völlig durcheinander. Wenn Menschen einander lieben, sagt man schon mal: „Die haben sich zum Fressen gern“. Und wenn Jesus bei uns wohnen will, dann drückt das aus, dass er um nichts in der Welt „die Finger vom Menschen lassen will“. Ja, er ist sich nicht zu schade dafür, lieber 99 Schafe allein zurück zu lassen und geht dem „Verlorenen nach und sucht bis er es findet“ (LK 18, 12 ff).

Jesus nur im Tabernakel zu orten, wäre eine Engführung. Das hat mir ein zehnjähriges Kind bei einer Kinderkatechese an Weihnachten so erklärt: „Wenn Jesus in das Herz eines Menschen gezogen ist, dann kann man von Weihnachten reden“. Ich spürte nach dieser Wortmeldung des Kindes, wie ein Ruck durch die Gottesdienstbesucher ging. Seine Antwort hat uns alle „kalt erwischt“!

Hat Jesus bei seinem Kommen in diese Welt nicht neue Akzente gesetzt? Von den Besuchergruppen in diesem Stall in Bethlehem können wir vieles lernen. Und er wartet nicht nur bis einer kommt, sondern macht sich später auf die Socken, um auch den zu gewinnen, der abgehauen ist oder Mist gebaut hat. Und er beendet die Suchaktion erst dann, wenn er ihn irgendwo, auch an einem unmöglichen Ort, gefunden hat.

Und das gibt mir Mut, Jesus in mich aufzunehmen, wenn er anklopft. Er schreckt nicht vor meinem inneren Saustall zurück. Ja, es kommt noch schlimmer. Er wird bei Jesus zu einem Begegnungsheilzentrum. Und zugleich dürfen wir in dieser unmittelbaren Begegnung mit ihm lernen und uns von diesem Winzer korrigieren lassen, um fruchtbar zu werden. So kann sich seine Winzerarbeit fortsetzen. Die Einlassbedingung ist sehr unkompliziert. Ich muss ihn nur hereinlassen. Von einer Mitgliedschaft in einer Kirche hat er nichts gesagt!

Deshalb ist aus meiner Sicht gerade die Eucharistie eine Herzensangelegenheit Jesu. Und er lädt uns alle ein, wenn er sagt: „Kommt doch alle zu mir, die ihr müde und beladen seid“ (Mt 11, 28). Erst wir Theologen haben die Zugänge zu dieser Begegnung erschwert, wenn wir verkündeten, dass wir ihm nur mit einer weißen Weste begegnen dürfen und haben Einlassbeschränkungen aufgebaut. Wie gut, dass Jesus keinen Protokollchef oder eine Beratungsfirma hatte! Die hätten nicht zugelassen, dass eine Hure seine Füße waschen durfte.

Und noch etwas hat uns Jesus versprochen: „Wer in mir bleibt, der bringt reiche Frucht“. Also nicht, der mal reinschnuppert, sondern der bleibt. Sonst wird eine Begegnungsverweigerung zu einer Lebenskatastrophe, weil ich mich dann um meine Früchte bringe. Ich bin zum Fruchtbringen bestimmt, auch wenn ich in meinen oder in den Augen anderer ein Totalversager bin. Warum zögere ich noch?

P. Josef Lienhard, Kirchenzeitung Nr. 18 vom 2. Mai 2021 - Evangelium: Joh 15, 1-8


Fünfter Sonntag der Osterzeit

Die Schwierigkeit, an die Auferstehung Jesu zu glauben, kommt für viele weniger aus dem Ereignis selber als aus dessen scheinbarer Wirkungslosigkeit. Sind die Menschen anders geworden? Ist die Welt besser geworden? Manchmal fragen wir ebenfalls so. Die Wahrheit kann nur durch gelebte Wahrheit bewiesen werden. Jesus ist die Wahrheit Gottes und die Tat Gottes für uns alle.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 25 vom 20. Juni 2021

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