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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

21.04.2021

Jesus wusste, was im Menschen ist

Auf ein Wort in der KiZ: Wenn Menschen sterben, hören Welten auf.

Auf ein Wort: Jesus wusste, was im Menschen ist Foto: pixabay

Beim russischen Schriftsteller Jewgeni Jewtuschenko lese ich: „Wenn Menschen sterben, hören Welten auf. Wir weinen ihnen eine Träne nach und erkannten sie nicht am lichten Tag. Was weißt Du schon von deinem Vater, deiner Mutter, Schwester, Bruder, Gesicht an Gesicht? Wissen wir alles wissend, dennoch nichts.“

Ist nicht jeder Mensch eine eigene Welt, ein eigener Kosmos? Wer kennt schon wirklich den anderen? Manchmal sind es nur Äußerlichkeiten, die wir kennen. Oft sind es auch Vor-urteile oder einseitige Erfahrungen. Aber kennen wir uns überhaupt selber? Sind wir uns nicht oft selber fremd? Suchen wir nicht manchmal, um zu wissen, wer wir sind, unser Heil im Erfolg, in der Sicherheit, im Besitz, in der Tradition und in der Anerkennung? Gewiss: All das tut gut. Aber es kann uns auch genommen werden. Sind es nicht manchmal diese „Diebe und Räuber“, von denen Jesus im Evangelium warnt? Sie nehmen uns viel, geben aber nichts Bleibendes und Beständiges. Was bleibt und was hat Bestand? Es ist dieses starke Wort Jesu heute im Evangelium: „Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich.“ 

Aber kennen wir ihn? Leben wir nicht oft an ihm vorbei? Oder lassen ihn links liegen, weil uns alles andere mehr interessiert als er? Dennoch: Er, Jesus, kennt uns, denn er wusste, so heißt es von ihm im Johannesevangelium, „was im Menschen ist“. Er kennt sogar unsere tiefsten Abgründe. „Von fern erkennst du meine Gedanken. Du bist vertraut mit all meinen Wegen und legst deine Hand auf mich“, so der 139. Psalm. Dass uns der gute Hirte kennt, heißt vor allem, dass er uns liebt. Kennen ist in der Bibel ein anderes Wort für lieben. 

Das also ist dieser gute Hirte. Er nimmt nicht, er gibt. Er gibt uns sogar alles. „Denn in keinem anderen Namen unter dem Himmel ist Heil, durch den wir gerettet werden“ (1. Lesung). Um dies zu verstehen, brauchte es bei den Aposteln viel Zeit. Da musste ihnen der Auferstandene schon öfter erscheinen. Dazu brauchte es auch noch das Pfingstereignis, die Kraft von oben, den Heiligen Geist. Ausgerüstet mit dieser Kraft, konnten sie wie Jesus Menschen von ihren Gebrechen heilen. 

Ob sich wohl auch in uns Christen heilende Kräfte entwickeln können? Für jeden von uns gewiss ein lebenslanger Prozess. Ich denke, je mehr wir die Nähe und Liebe des guten Hirten suchen, je mehr wir die Kraft seines Geistes in uns wirken lassen, umso mehr können wir uns dem Nächsten heilend zuwenden. Umso heilsamer sind unsere Zeichen und unsere Zuwendung, die wir ihnen schenken. 

Richard Distler, Pfr. i. R., Kirchenzeitung Nr. 17 vom 25. April 2021 - Evangelium: Joh 10, 11-18


Vierter Sonntag der Osterzeit

Nichts Kostbareres gibt es für den Menschen als das Leben. Das Größte, was ein Mensch für andere tun kann, ist, ihrem Leben zu dienen. Jesus hat für uns sein Leben eingesetzt; er liebt uns. Er ruft uns beim Namen und ist der gute Hirte. Er nimmt uns in seinen Dienst; auch wir sollen helfen, retten, heilen.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 25 vom 20. Juni 2021

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