Zum Inhalt springen

Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

23.02.2021

Lichte Momente mit Gott

„Verklärung des Herrn“ - Pfarrkirche St. Jakobus

„Verklärung des Herrn“ – Deckengemälde in der Pfarrkirche St. Jakobus in Sindlbach. Foto: Kreitmeir

Wie gut kennen wir einander eigentlich? Da lebt jemand vielleicht jahrelang an unserer Seite, aber wir kennen ihn kaum. Doch manchmal gibt es Momente, wo sein Wesen plötzlich hervorbricht und wo sich verdichtet, wer er wirklich ist. In solchen Augenblicken zeigt sich auch, aus welchen Überzeugungen und Visionen wir im Alltag leben. War das auch bei Jesus so? 

Ein entscheidender Moment in seinem Leben war gewiss die Todesangst am Ölberg und sein Sterben auf Golgotha. Aber zeigt uns nicht auch die Taborstunde, die uns im heutigen Evangelium geschildert wird, wer er wirklich war und was ihn auch noch im Sterben gehalten hat? Haben eigentlich auch seine Jünger erkannt, wer er wirklich war? Lange Zeit nicht. Selbst in einem so lichten Moment wie auf Tabor schienen ihre Augen wie verschlossen, voller Angst und heiligem Schauder. Erst nach der Auferstehung fiel es ihnen wie Schuppen von den Augen. 

Haben wir schon erkannt, wer Jesus wirklich war? Bleibt er vielleicht auch uns verborgen? Für wen dürfen wir ihn halten? War er ein Prophet wie Mose, dem wir die Zehn Gebote verdanken? War er ein Prophet wie Elija, den ein heiliger Schrecken überfiel, als er auf dem Berg Horeb Gott von rückwärts erfahren durfte? Nein, Jesus ist mehr als ein Prophet. Wer er wirklich ist, das tut heute eine Stimme vom Himmel kund: „Dies ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören!“ Das heißt: Er steht als Sohn in innigster 
Liebesbeziehung zum Vater. Er ist sein endgültiges Wort, seine direkte und endgültige Stimme an die ganze Menschheit. 

Möchten wir diese Stimme hören? Oder verschließen wir nicht oft die Ohren und Augen vor ihm? Vielleicht zweifeln wir manchmal, dass er uns gezeigt hat, wie und wer Gott ist? Auch, dass mit ihm die himmlische Welt mitten in unsere oft so zerrissene und ratlose irdische Welt eingetaucht ist. Vielleicht leben wir oft jahrelang an ihm vorbei, ohne seine Nähe und Gegenwart zu spüren? 

Aber könnte es nicht auch bei uns solche lichten Momente geben wie bei den Jüngern auf Tabor? Oder wie bei Abraham im Text der ersten Lesung von diesem Sonntag, als ein Engel ihm bei der Opferung des Isaak gleichsam ins Messer fuhr? Gibt es vielleicht solche lichten Momente in der Nähe des Todes? Oder womöglich mitten im Leben, wenn wir uns geliebt wissen. Oder wenn wir in großer Not uns gehalten, behütet und beschützt wissen? 

Im Evangelium heißt es: „Jesus nahm die Jünger beiseite“. Gerade jetzt in der Fastenzeit ein Stück beiseite gehen, in uns und zu ihm gehen. Vielleicht erkennen dann auch wir etwas mehr von der Wahrheit über Jesus und uns. Dann können durchaus auch bei uns lichte Momente mit Gott ihre Chance bekommen. 

Richard Distler, Pfr. i. R., Kirchenzeitung Nr. 09 vom 28. Februar 2021 - Evangelium: Mk 1, 2-10

 


Zweiter Fastensonntag

Der Mensch wird er selbst erst in der Begegnung mit dem andern, dem Du. Er sieht und wird gesehen: Er nimmt den andern an und weiß sich selbst angenommen, aber auch gefordert. Von Abraham, dem Freund, hat Gott Großes gefordert: das Opfer des geliebten Sohnes. Von Jesus, seinem eigenen Sohn, alles: Leben und Tod. Jesus war der vollkommene Mensch, der ganz verwirklichte Mensch. Auf ihn schaute Gott mit reinem Wohlgefallen; in ihm offenbarte er sein eigenes Wesen, seine Heiligkeit und seine Herrlichkeit.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 20 vom 16. Mai

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de

Bezugspreise (ab Jan. 2021):
Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 8,80 €
(7,60 € einschl. 7 % MWSt. + 1,20 € Zustellgebühr);
durch die Post monatlich 9,55 €;
Einzelnummer 2,20 €.