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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

26.04.2019

Machen wir etwas aus unseren Glaubenszweifeln!

Foto: Wikipedia/Rensi

Figurengruppe in der Filialkirche St. Thomas in Landerzhofen bei Greding. Foto: Wikipedia/Rensi

Der heutige Barmherzigkeitssonntag hat eine junge, aber durchaus reiche Geschichte. Zunächst wurde im Jahr 2000 am 30. April der Weiße Sonntag von Papst Johannes Paul II. zum Barmherzigkeitssonntag deklariert. Hintergrund waren die Botschaften der Seherin und Mystikerin Schwester Faustyna Kowalska. Nun erfolgte justament an diesem Tag vor fünf Jahren die Heiligsprechung ihres Heiligsprechers. Er wurde aber nicht alleine kanonisiert. Mit ihm wurde Papst Johannes XXIII., der „papa buono“ zur Ehre der Altäre erhoben. Hinzu kommt, dass Papst Franziskus daraufhin ein Jubeljahr ausgerufen hat, das „Jahr der Barmherzigkeit“. Vielerorts wird heute auch Erstkommunion gefeiert, der Weiße Sonntag gehört noch in die Osteroktav, ist also nicht nur ein österliches Fest, er ist ganz wesentlich Osterfest. 

In diesem festlichen Raum begegnet uns heute der ungläubige Thomas. Sein Name im Hebräischen – ta’am – bedeutet gepaart, Zwilling. Wir wissen nicht, wer sein Zwillingsgeschwister ist. Sehr abgefahrene und schon in der frühen Tradition nicht ernst genommene Legenden haben ihn sogar schon zum Zwillingsbruder Jesu gemacht. Ich denke, dass dieser Beiname uns auch noch etwas anderes sagen kann. In Thomas finden wir zwei Seiten unserer eigenen Verfassung. Die zweifelnde und die glaubende Haltung.

Zwar wird ihm von Jesus vorgehalten: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“. Andererseits gewährt Jesus ihm diese Anschauung, die uns im Normalfall nicht zuteil wird. Thomas war bereit, mit Jesus in den Tod zu gehen, als dieser sich wegen Lazarus in Richtung Jerusalem aufmachen wollte. Dort warteten ja die Verfolger: „Dann lasst uns mit ihm gehen, um mit ihm zu sterben“. Als Jesus den eigenen Tod ankündigt in Bildern, die die Jünger nicht verstanden, da fragt Thomas nach: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?“ Und Jesus antwortet mit dem berühmten Satz: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Im verschlossenen Saal wird diese Wahrheit buchstäblich begreifbar. Thomas erfasst Jesus mit den Händen, er geht den Weg, der Jesus ist, mit den Knien und bekennt: „Mein Herr und mein Gott!“. Machen wir etwas aus unseren Glaubenszweifeln, lassen wir den Zwilling zu Wort kommen mit der fruchtbaren Botschaft von der Auferstehung des Herrn.

Alois Loeßl

2. Sonntag der Osterzeit - Weisser Sonntag 

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 42 vom 20. Oktober 2019

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