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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

24.05.2019

Mehr als ein feierlicher Friedensgruß

Der im Jahr 1696 in der Nähe von Neapel geborene heilige Alfons von Liguori, Gründer eines Erlöserordens, hat 111 Bücher geschrieben. Im Alter von 72 Jahren schrieb er sein reifstes Werk, das den Titel trägt: „Jesus lieben lernen.“ „Heiligkeit“, so heißt es darin, „besteht ganz und gar in der Liebe zu Jesus“. Alfons war in der damaligen Zeit schmerzlich von der Gefühlskälte vieler rigoristisch angehauchter Schriften seiner Zeit betroffen, aber ohne andere Wege abzuwerten, sagte er: „Vollkommenheit besteht darin, Jesus aus ganzem Herzen zu lieben.“ Gemeint ist eine Liebe, die gute Früchte hervorbringt.

Auch dem Verfasser des Johannesevangeliums geht es um dieses große Anliegen. Es geht um Jesus, den Sohn Gottes, der unter uns Mensch geworden ist. Und es geht um unsere Glaubensgemeinschaft mit ihm, durch die uns Leben und Gnade verheißen ist. Das Lebensprogramm des gläubigen Jüngers lautet: Jesus kennen, lieben und ihm nachfolgen lernen. Die Liebe zu Jesus scheint dem Evangelisten sehr am Herzen zu liegen. Dem, der in dieser Liebe verharrt, verheißt er, dass der Vater ihm auf die Bitte Jesu hin den Heiligen Geist senden wird: „Der Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.“ Viele Menschen sehnen sich danach, Gott nahe zu sein und von Gott geliebt zu werden. Wer Jesus liebt, wird auch die Liebe des Vaters erfahren, denn Jesus ist die Offenbarung der Liebe Gottes. Diese Verheißung gilt auch jedem, der heute versucht, Jesus lieben zu lernen. 

Bevor Jesus die Welt verlässt und die Heimkehr zu seinem Vater ankündigt, ruft er seine Jünger zusammen, um von ihnen Abschied zu nehmen. Die Jünger erfüllt Verwirrung, Angst und Verzagtheit. Doch Jesus verspricht ihnen, dass er sie nicht schutzlos zurücklässt. Er verheißt einen neuen Beistand, der von „oben“ kommt. Der Heilige Geist wird sich ihrer annehmen: „Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.“ Auch wenn sie sich in der Welt verloren und schutzlos fühlen, dürfen sie sich auf die Zusage Jesu verlassen: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.“ Es handelt sich hierbei nicht bloß um einen feierlichen Friedensgruß, auch nicht bloß um einen inneren Seelenfrieden. Dieser Friede ist anders, als der Friede, den man manchmal in der Welt erfahren kann. Jesu Friede entstammt nicht dieser Welt. Es ist ein Friedensgeschenk, das den Vater im Himmel als Ursprung hat. Der Friede, den Jesus seinen Jüngern und den Gläubigen aller Zeiten verheißt ist eine Auswirkung der neuen Gegenwart des Heiligen Geistes unter uns. Seine Gegenwart vertreibt die Angst. Ja, es gibt vieles, was uns im Leben Angst machen kann. Wir sollen alle diese Ängste nicht verdrängen, sondern sie vielmehr hineinnehmen in unsere Glaubensbeziehung zu Gott. Dort sind sie gut aufgehoben.

Noch sind wir hineingestellt in das Ringen zwischen Gauben und Unglauben, zwischen Angst und Vertrauen. Aber inmitten aller unserer Ängste ruft eine Stimme zu uns: „Euer Herz ängstige sich nicht und verzage nicht!“.

Pius Schmidt, Kirchenzeitung Nr. 21 vom 26. Mai 2019

Sechster Sonntag der Osterzeit

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 42 vom 20. Oktober 2019

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