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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

17.03.2017

Mehr an Leben aus einer Begegnung

Von Guy de Maupassant stammt der Satz: „Es sind Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.“ Um eine Begegnung, die das Leben eines Menschen mehr als lebenswert macht, geht es auch im Evangelium des dritten Fastensonntags. Eine Frau aus Samarien stößt in der Begegnung mit Jesus durch den Müll ihres Lebens hindurch auf jemand, der ihr Hoffnung auf ein Mehr an Leben macht. Sie, deren Ruf nicht der beste ist, weiß aus eigener Erfahrung, dass ihre gescheiterten Beziehungen mit Männern nicht alles sein können.

Die Umgebung der Frau schaut voll Verachtung auf sie herab. Jesus, den sie am Brunnen trifft, ist da eine Ausnahme. Er sieht in ihr Herz und nimmt ihre Sehnsucht nach mehr Leben wahr. Sie, die eigentlich zum Brunnen kommt, um Wasser zu schöpfen, findet durch die Begegnung mit Jesus ein Wasser ganz anderer Art. Die Worte, die Jesus zu ihr sagt, werden für sie zu einer sprudelnden Quelle. Was für eine wunderbare Begegnung beim alltäglichen Wasserholen, die sie zur Erkenntnis führt: In diesem Jesus steht einer vor mir, der bis auf den Grund meiner Seele sieht. Aus ihm spricht Gott. Von ihm kommt nur Gutes. Ihm kann ich ganz trauen. Diese beglückende Begegnung bringt die Frau in Bewegung. Begeisterung für Jesus erfasst und erfüllt sie.

Ist nicht auch heute eine erfüllende Begegnung mit Jesus möglich? Können nicht seine Worte auch für uns zu einer sprudelnden Quelle werden, aus der wir ein Mehr an Leben, neuen Lebenssinn und neue Lebenskraft schöpfen? Wie diese Frau begegnen wir durchaus auch Jesus. Bei uns kann der Brunnen die Familie, der Beruf, das Ehrenamt oder die Kirche sein. Entscheidend ist, dass wir uns dem Gespräch mit Jesus über unser Leben stellen und mit seiner Gegenwart rechnen. Voraussetzung ist das Vertrauen in sein Verheißungswort. Die sprudelnde Quelle für mehr Leben ist nicht der Reichtum an Besitz, an vielfältigen sexuellen Beziehungen, an Macht und Ruhm. Er ist verführerisch, bringt nicht das große Glück. Wer aber den Worten Jesu traut als Lebensquelle wie diese Frau, der erlangt einen inneren Reichtum, den niemand zerstören kann. Nicht nur sie, unzählige Christinnen und Christen in den Jahrhunderten nach ihr bis in unsere Zeit durften dies erfahren.

Alois Ehrl, Domkapitular em., Kirchenzeitung vom 19.3.2017

Alois Ehrl. Foto: Michael Heberling

Alois Ehrl, geboren 1945 in Hammern bei Budweis, wurde 1972 zum Priester geweiht. Er war Kaplan in Wassertrüdingen, Nürnberg und Wemding. 1983 wurde er Pfarrer in der Nünberger Pfarrei Maria am Hauch, 1998 übernahm er schließlich die Leitung der Pfarrei St. Sebald in Schwabach. 2011 wurde Ehrl Dekan des neu konstituierten Dekanats Roth-Schwabach. Seit 1997 war er außerdem Eichstätter Domkapitular. Als stellvertretender Vorsitzender der Ökumene-Kommission des Bistums Eichstätt vertrat er das Bistum auch in der AcK. Seit August ist Ehrl im Ruhestand.

Lesungen zum 3. Fastensonntag im Jahreskreis am 19. März 2017

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