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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

03.07.2019

Mutige und überzeugte Missionare sein

Als Willibald im 8. Jahrhundert als Missionar in das Gebiet zwischen Donau und Main kam, war er 41 Jahre alt. Papst Gregor III. schickte ihn auf die Bitte von Bonifatius. 

Die Menschen dieser Region waren zum Teil Anhänger von Naturreligionen, zum Teil verehrten siegermanische Gottheiten. Gelegentlich trifft man in den Wäldern um Eichstätt herum noch auf seltsame Geländeformationen, sogenannte„Keltenschanzen“. Es handelt sich wohl um uralte Zeugnisse von keltischen Kultstätten. Die römische Besatzungsmacht brachte auch römische Einflüsse mit in diese Region und dadurch auch die römischen Gottheiten. Vereinzelt gab es auch christliche Gruppen. Aber erst mit Willibald begann der Aufbau von christlichen Gemeinden. 

In einer Lebensbeschreibung Willibalds, verfasst von einer Nonne aus dem Kloster Heidenheim, steht, dass zu seinen Predigten die Leute aus dem ganzen Umkreis zusammenströmten, um ihn zu hören. Anfangs war es eine geringe Gefolgschaft, heißt es. 

Doch der ausgestreute Same ging auf und brachte Frucht. Es ist sogar die Rede von „blühenden Gefilden“ Bayerns und von vielen Kirchen und Priestern und von „Schnittern“, die die Ernte einbrachten. Wir können wohl nicht ermessen, welche Befreiung die Verkündigung des Evangeliums für die vom Heidentum geprägten Menschen bedeutete.

Wir sind gewohnt, Gott als unseren Vater zu bezeichnen. Das war für die keltischen Ureinwohner alles andere als selbstverständlich. Die germanischen Götter sind keine liebenden und friedlichen Wesen. Sie verkörpern im Gegenteil die germanischen Ideale: Härte, Stärke, Eigennutz, Ehre – während Nächstenliebe und Demut nichts galten. Die Angst vor Geistern und Dämonen war allgegenwärtig. Das Evangelium lehrt uns eine andere Wahrheit.

Wir wissen nicht, welches „Seelsorgekonzept“ Willibald in der Tasche hatte. Der Künstler der berühmten Sitzfigur im hinteren Teil des Eichstätter Domes lässt Willibald seine Hand auf die in seinem Schoß liegende Bibel legen. Das ist eine bedeutsame Geste. Sie verweist auf die Bedeutung des Wortes Gottes. In allen Wandlungen und Krisen der derzeitigen Kirche, sind wir neu herausgefordert, wieder auf die zentralen Grundlagen der christlichen Offenbarung zu schauen, auf die „Basics“ unserer Glaubenslehre. 

Ich denke am heutigen Willibaldsfest an eine Ansprache, die Papst Benedikt auf einer Generalsynode der lateinamerikanischen Bischöfe in Aparecida 2007 gehalten hat. Sie trifft auch auf unser Land zu. Von den „blühenden Gefilden“ des christlichen Glaubens, die in der Vita des heiligen Willibald genannt werden, ist nicht mehr viel zu sehen. Die letzten Jahre hat sich die Landschaft des christlichen Glaubens sehr verändert. Der „unermessliche Schatz und das kostbare Erbe, das uns die Vorfahren hinterlassen haben“, wird vielfach nicht mehr gesehen. Aber der Glaube bleibt unser kostbarstes Erbe: Es ist der Glaube an Gott, der die Liebe ist, der in Christus Jesus sein Antlitz gezeigt hat. Keine politische oder sozial-ethische Ideologie, keine soziale Bewegung, kein Wirtschaftssystem,, sondern der Glaube an Gott, der Liebe ist, der Mensch geworden, gestorben und auferstanden ist in Jesus Christus, ist das authentische Fundament unserer Hoffnung. Im Blick auf die Missionsarbeit zur Zeit des heiligen Willibald können auch wir sagen: Die Aussaat hat großartige Früchte in unserem Land hervorgebracht, wie auch die Schar der Heiligen und Seligen beweist. Lassen wir uns nicht niederdrücken von all den negativen Seiten unserer heutigen Zeit in Welt und Kirche: „Seid gläubige Jünger, um mutige und überzeugte Missionare zu sein!“ 

Pius Schmidt, Kirchenzeitung Nr. 27 vom 7. Juli 2019 - Willibaldsfest

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 42 vom 20. Oktober 2019

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