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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

11.01.2019

Nicht angepasst – vom Geist erfasst

Foto: Kreitmeier

Foto: Kreitmeier

Das Angebot an Talk-Shows im Fernsehen, vor allem mit politischen Themen, ist groß. Da wird debattiert, diskutiert und oft auch gestritten. Das mag ja noch angehen, denn Demokratie lebt vom Streit. Oft aber wird nicht nur für die eigenen Argumente geworben. Man geht auch gern auf Stimmenfang für die eigene Person oder Partei.

Musste auch Jesus auf Stimmenfang gehen? Eher nicht: Er stand zu seiner Sendung, die ihm vom Vater aufgetragen wurde, ganz gleich, ob gelegen oder ungelegen. Nicht der Beifall und die Stimme von Menschen bestätigten ihn, sondern die Stimme vom Himmel. Sie sagt: „Du bist mein geliebter Sohn, dich habe ich erwählt!“ Jesus muss also nicht wie ein Politiker gewählt werden, er ist schon erwählt. Gott, der Vater, steht ganz zu ihm und hinterihm. Mehr noch: Er rüstet ihn aus mit der Kraft von oben, dem Heiligen Geist. Dieses Ereignis nennt man die Taufe Jesu. Sie ist mehr als nur die Taufe durch Johannes (Unsere Abb. zeigt eine Darstellung aus Heilsbronn). Die Taufe Jesu ist eine „Feuertaufe“. An dieser Taufe aber gibt er auch uns Anteil: „Er wird euch mit heiligem Geist und mit Feuer taufen“. Aber ist uns diese Erwählung, diese „Wahl Gottes“ eigentlich wichtig? Haben wir dieser Wahl und Erwählung schon zugestimmt? Sie hat eine bedeutende Konsequenz: Seit diesem Ereignis am Jordan haben wir durch Jesus direkt Zugang zu Gott. Der Himmel ist für uns nicht mehr verschlossen, er ist offen. 

Und seit der Ankunft Jesu hat eine neue Zeit begonnen, eine heilige Zeit, eine Heilszeit, die Gotteszeit. Von dieser Gotteszeit spricht bereits der Prophet Jesaja in der ersten Lesung. Sie ist für ihn Trost, die Begleichung von Schuld und das Ende allen Frondienstes, das Ende aller Knechtschaft, das Ende von Unterdrückung und Hass, das Ende von Krieg und Terror: Nicht Schwerter, sondern Pflugscharen sollen geschmiedet werden. Dies nicht nur zwischen den Völkern, auch im kleinen Bereich der Familie, in der Arbeit, in der Schule, unter Nachbarn und im Zusammenleben der Pfarrgemeinden. Diese Vision des Propheten ist also auch eine Vision für unsere Tage, eine Art Feuertaufe für unsere Herzen und Gedanken, auch für die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft? 

Das Ende aller Waffengeschäfte und Waffenlieferungen. Das Ende aller Maßlosigkeit, wie Papst Franziskus zu Weihnachten sagte. Das Ende aller Habgier auf Kosten der Kleinen, der Schwachen und Armen dieser Welt. Eher schon der Beginn einer neuen Schöpfung, der Beginn einer neuen Zeit, der Heilszeit, der Gotteszeit oder kurz: Die Welt des Göttlichen im Menschlichen. Aber sträuben wir uns nicht immer wieder gegen diese „Taufe von oben“ und leben lieber in der alten Zeit? Nun gut, sie mag bequemer sein, ist aber gefährlicher für uns und für die Menschheit. Getauft sein, wie Jesus erwählt sein, heißt aber: Sich nicht anpassen an den Zeitgeist, sich vom Feuer des Gottesgeistes ergreifen lassen und auf die Stimme aus dem offenen Himmel hören.

Richard Distler, Pfr. i. R., Kirchenzeitung Nr 2 vom 13. Januar 2019

Taufe des Herrn

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 12 vom 24.3.2019

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