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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

20.09.2019

O Mensch! Gib acht!

Foto: Erich Kraus

Foto: Erich Kraus

Der treulose Verwalter wird uns heute als Beispiel hingestellt. In der Geschichte, die Jesus erzählt, können wir ein Augenzwinkern finden, das unsere Klugheit aufrufen soll. Ich will ein Kind dieser Welt benennen, das ebenfalls einlädt zur methodischen Betrachtung.

Der Philosoph und Dichter Friedrich Nietzsche ist einer der „Großbaumeister der Moderne“. Er lehnt sich auf gegen alle christliche Tradition und schwärmt vom „Übermenschen“, der dann unter der Hand der Nazi-Ideologen zur blonden Bestie wird.

Der vom Christentum rettungslos ergriffene Pastorensohn Nietzsche gibt sich antimoralistisch, antidemokratisch, antisozialistisch, antifeministisch, antiintellektualistisch, antipessimistisch und natürlich antichristlich. Auf diese Weise nimmt er eine Umwertung der Werte vor.

Niemand versuchte je so sehr Kind dieser Welt zu sein, wie Nietzsche. Lernen wir von ihm, dass es darauf ankommt, umzukrempeln. Nicht die christlichen Werte freilich, sondern die Welt. Unser „Anti“, unser Gegenwort ist Jesus und seine göttliche Liebe, die ihn Mensch werden ließ.

Nietzsche will das Irdische in ewiger Wiederkehr kreisen lassen und die Lust heilig sprechen. So schreibt er in „Also sprach Zarathustra“: „O Mensch! Gib acht! / Was spricht die tiefe Mitternacht? / „Ich schlief, ich schlief –, / Aus tiefem Traum bin ich erwacht: – / Die Welt ist tief, / Und tiefer als der Tag gedacht. / Tief ist ihr Weh –, / Lust – tiefer noch als Herzeleid: / Weh spricht: Vergeh! / Doch alle Lust will Ewigkeit –, / – will tiefe, tiefe Ewigkeit!“

Wir dürfen das anders sehen und drehen dem Nietzsche das Wort im Munde um: Die Welt ist tief, / Und tiefer als der Tag gedacht. / Tief ist ihr Weh –, / doch Liebe reift im Herzeleid: / Weh spricht: Vergeh! / Doch Liebe ist die Ewigkeit –, / – ist tiefe, tiefe Ewigkeit!“

Auch das schreibt der Zertrümmerer Nietzsche in „Ecce homo“, einem weiteren seiner Werke: „Ja! Ich weiß, woher ich stamme, / Ungesättigt gleich der Flamme / glühe und verzehr’ ich mich. / Licht wird alles, was ich fasse, / Kohle alles, was ich lasse, / Flamme bin ich sicherlich!“

Und wieder stellen wir ihn auf den Kopf: „Ja! Ich weiß, woher ich stamme! /Ungesättigt gleich der Flamme / Glühe und verzehr ich mich. / Licht wird alles, was ich fasse, / Christus, den ich nimmer lasse, / leuchtet in mir ewiglich!“ Erfasst von der Liebe Christi wird der brennende Dornbusch unserer Existenz nicht verkohlen.

Alois Loeßl, Kirchenzeitung Nr. 38 vom 22. September 2019


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