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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

13.12.2017

Resonanzraum für Gottes Wort

Foto: pixelio/Rainer Sturm

Es grenzt an ein Wunder, wie der Klang eines „Stücks Holz“ im Arm eines Menschen sich bis in die hintersten Winkel eines großen Konzertsaals auszubreiten vermag und das Innerste der versammelten Hörer berühren kann. Der Ton einer kunstgerecht gefertigten Geige ist nicht nur erstaunlich stark, sondern facettenreich und von beseelter Ausdruckskraft. Wenn es dem Geigenbauer gelingt, die hölzernen Bestandteile des Instrumentes so abzuhobeln und auszuwölben, dass sie in ihren Eigenfrequenzen vibrieren können, um auf diese Weise die Töne der schwingenden Saiten zu verstärken, dann geschieht das Klangwunder.

Aber das eigentliche Geheimnis dieses Wunders besteht darin, dass es zwischen diesen Holzteilen einen „Hohlraum“ gibt. Ohne diesen leeren Zwischenraum könnten sich die Schwingungen der Saiten nicht entfalten und entstünde jene Resonanz nicht, die dem Ton der Violine jene Strahlkraft und Farbigkeit verleiht, die uns an diesem Instrument so bezaubert.

Das wundersame Ereignis der Resonanz oder Klangverstärkung mithilfe des dafür unentbehrlichen „Hohlraumes“ ist ein passendes Gleichnis für die zentrale Person im Evangelium des dritten Adventssonntages: Johannes der Täufer. Über ihn sagt der Evangelist: „Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht … Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.“ Diese Worte bringen das innere Wesen dieses Menschen auf den Punkt. Johannes gehört nicht zu denen, die sich als „Lichtgestalt“ aufspielen und „im Rampenlicht“ der Weltöffentlichkeit gefeiert werden wollen.

Es gehört zu seinem Wesen, dem Raum zu geben, der wirklich „das Licht“ ist; von sich weg auf den zu verweisen, dem alle Aufmerksamkeit gebührt. Daher die Verneinungen, die er ausspricht: „Ich bin nicht der Messias, … nicht Elias, … nicht der Prophet.“ Und auf die Frage „was sagst du über dich selbst?“ gibt er zur Antwort: „Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für den Herrn!“

Wenn er sich als „Stimme“ bezeichnet, setzt er sich ab von dem, der das „Wort“ ist. Stimme sein bedeutet für ihn: das Wort Gottes zu Gehör bringen als Resonanzraum und Klangverstärker. Zu einem Klangkörper für das Wort Gottes entwickelte er sich in der Leere der Wüste. Dort fertigte sich der göttliche „Werkmeister“ an und mit diesem Menschen den „Resonanzraum“ seines Wortes. Die überragende menschliche Größe des Täufers Johannes besteht in seinem „Hohlraum sein“ für Gott.

Diese Art von Leersein ist nichts Passives und nichts bloß Negatives. Vielmehr verwirklicht Johannes im Leersein für Gott das Größte, was ein Geschöpf werden kann: Klangraum sein für das schöpferische und heilende Gotteswort. Dieser Klangraum entsteht aus Freiheit: immer ist er ein geschenkter Raum; bloß erzwungen, wäre er des wahren und lebendigen Gottes unwürdig.

Darum wird Johannes von Jesus selber mit dem größtmöglichen Kompliment bedacht: „Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes der Täufer“ (Mt 11, 11). Was Johannes groß machte, macht jeden Menschen groß:

Statt ängstlich besorgt sein eigenes kleines Ich aufzublähen und sich selber wichtig zu machen, dem Herrn Raum geben und das mitmenschliche Gegenüber zu Wort kommen lassen.  

Dr. Lorenz Gadient, Kirchenzeitung Nr. 51 vom 17. Dezember 2017

Lesungen zum 3. Adventssonntag

Lorenz Gadient. Foto: privat

Lorenz Gadient wurde 1959 in Luzern geboren. Er studierte dort, in Basel und München Theologie und Kirchenmusik und wurde 1986 zum Priester geweiht. Nach einem vierjährigen Vikariat in der Schweiz nahm er 1990 ein Promotionsstudium an der Ludwig-Maximilians-Universität München auf. 1997 promovierte er mit einer Arbeit über den Theologen Hans Urs von Balthasar. Nach einer Zeit als Kaplan in St. Peter in München wurde er im Jahr 2002 Spiritual im Priesterseminar in Eichstätt. Ab 2009 war er bis in diesem Jahr Krankenhauspfarrer im Klinikum Ingolstadt. Seit 2005 baut Gadient zusammen mit zwei Mitbrüdern ein Oratorium nach den Satzungen des heiligen Philipp Neri in der Ingolstädter Pfarrei St. Josef auf. Dort im Pfarrverband ist er auch priesterlicher Mitarbeiter.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 08 vom 25.02.2018

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