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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

05.05.2021

Schenken wir einen Teil unseres Lebens

Schenken wir einen Teil unseres Lebens

Auf ein Wort: Schenken wir einen Teil unseres Lebens                                        Foto: pixabay

Ein Mann stirbt für seinen Freund, eine Frau gibt für den Geliebten ihr Leben hin – wir alle kennen solche Szenen aus großen Filmen und Romanen und sind von dieser Hingabe bewegt und bewundern sie. Das Leben für einen anderen hingeben – das macht die große Liebe aus. Und genau zu dieser Liebe, zu dieser Selbsthingabe sind auch wir als Christen aufgerufen. Wir sollen einander lieben, wie Christus uns geliebt hat – und nicht „nur“ wie wir uns selbst lieben. Diese Liebe Christi ist das Thema der heutigen Lesungstexte.

Zunächst hören wir in der ersten Lesung von der Quelle, dem Wesen der Liebe selbst: Gott ist Liebe! Was macht diese göttliche Liebe aus? Wie liebt Gott? Gott gibt sich selbst ganz hin – und ist durch diese Selbsthingabe dreipersonal, liebende Gemeinschaft. Gott verschenkt nicht nur irgendetwas von sich, sondern sich selbst, sein ganzes Sein: Der Vater schenkt sich ganz dem Sohn, der alles dem Vater zurückschenkt. Diese gegenseitige Liebe und Einheit ist der Heilige Geist. Das ist das Wesen der Liebe: Selbsthingabe. 

Das Verwunderliche ist aber, dass Gott diese Liebe nicht auf „würdige“ Empfänger beschränkt oder diese Liebe je nach Empfänger anpasst. Wir hören im heutigen Evangelium, dass wir als Menschen, so wie wir sind, mit derselben (!) Liebe geliebt werden, mit der der Vater den Sohn liebt. Da gibt es keine Abstufung. Und Gott belässt es nicht bei bloßen Worten, sondern macht Ernst: Er schenkt sich uns selbst in seinem Sohn. Und er nimmt diese Liebe auch nicht zurück, selbst wenn sie auf Ablehnung stößt, was ja das Risiko jeder Liebe ist. Durch alle Ablehnung, allen Hass und alle Gleichgültigkeit hindurch bleibt seine Liebe ungebrochen – bis zum Tod am Kreuz. Das Kreuz ist also nicht in erster Linie als eine Strafe zu verstehen, die Jesus für uns zu erdulden hatte, damit der Vater uns wieder liebt. Die Liebe des Vaters zu uns ist bedingungslos. Das Kreuz ist das Zeichen einer Liebe Gottes, die sich durch nichts abbringen lässt. 

Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt, so hören wir heute Christus im Evangelium. Und zu dieser Liebe sind auch wir aufgefordert. Für die meisten von uns heißt das nicht, tatsächlich für die anderen zu sterben. Wir sind aufgerufen „scheibchenweise“ unser Leben für die anderen hinzugeben und sozusagen unserem Egoismus zu sterben. Konkret kann das bedeuten, einige Minuten unserer Zeit gerne zu verschenken, unsere Fähigkeiten und Talente im Dienst an die anderen zu verwenden oder ganz bewusst im Umgang mit dem Nächsten auf unsere schlechte Laune und unsere Empfindlichkeiten zu verzichten. 

Auch wenn das sicherlich nicht so spektakulär wie die Lebenshingabe in manchem Film ist, so ist dies dennoch eine Art von Heroismus. Ein Heroismus, der in kleinen liebenden Details sichtbar wird. Nehmen wir den anderen mit dem Blick der Liebe und der Barmherzigkeit wahr, schließen wir nicht die Augen für seine Bedürfnisse, seien wir nicht geizig mit unserer Zeit, mit dem Zuhören, mit einem Lächeln, mit einem freundlichen und aufmerksamen Wort. Schenken wir dem Anderen einen Teil unseres Lebens – lieben wir ihn, so wie Christus uns geliebt hat.

Pia Sommer Kirchenzeitung Nr. 19 vom 9. Mai 2021 - Evangelium: Joh 15, 9-17


Sechster Sonntag der Osterzeit

Die Osterpredigt ergibt sich aus dem Osterereignis. In der Auferstehung Jesu ist das Geheimnis Gottes offenkundig geworden. Durch Jesus wissen wir, was Liebe ist. Die Liebe kommt von Gott und sie hat Menschengestalt angenommen. Die Liebe ist treu bis in den Tod. Sie macht frei – den, der liebt, und den, der geliebt wird. Daran erkennt man die Liebe

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 25 vom 20. Juni 2021

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