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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

15.02.2019

Seligpreisungen – Vertröstungen auf das Jenseits?

Manchmal müssen Menschen daran erinnert werden, dass sie glücklich sind. In den Seligpreisungen werden sie daran erinnert. Andere werden daran erinnert, dass ihr Leben letztlich leer ist. Es klingt paradox, was ihnen gesagt wird: „Selig ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes“.

Der Philosoph Friedrich Nietzsche sagt, dass die Seligpreisungen eine Beschimpfung der Starken, der Erfolgreichen und Glücklichen seien. Sie vertrösteten die Menschen auf das Jenseits.

Die Seligpreisungen Jesu sind keine Vertröstungen auf das Jenseits. Sie verleiten auch nicht zur Flucht vor der Welt. Sie erklären die Armut und das Leid der Menschen nicht zu etwas Erstrebenswertem. Armut und Leid sind ein Übel, das nicht mit einem frommen Mäntelchen umhängt werden soll. Die Selig-preisungen verteufeln auch nicht den redlich erworbenen Reichtum und Wohlstand. Wohlstand kann auch ein Zeichen des Segens Gottes sein. Sie Seligpreisungen verkünden etwas anderes. Das Evangelium preist die Armen nicht deshalb selig, weil sie arm sind und trauern und verfolgt werden, sondern weil sie dem Himmelreich nahe sind.

Und darin liegt der Kern der Seligpreisungen: Jesus verkündet die Nähe des Himmelreiches. Das Reich Gottes ist nahe. Die Spuren des Gottesreiches durchwirken schon diese Welt. Es hat schon begonnen, aber es ist noch nicht vollendet. Die Vollendung unseres Lebens im Reich Gottes liegt jenseits der Todesgrenze. Die Seligpreisungen verheißen eine Freude, die jenseits des Todes liegt und ein Glück, das erst im Himmel sich vollendet. Im Leben der Armen sind die Spuren dieser Freude besonders nahe. Sie tragen schon den Trost und den Frieden in sich, der sich einst in der Freude des Himmels vollendet. „Freut euch und jubelt, euer Lohn im Himmel wird groß sein.“ 

Diese Armen, Leidenden und andere geschundenen Menschen werden in der Welt meist vergessen, in der Öffentlichkeit werden sie kaum beachtet. Aber in den Augen Gottes sind sie nicht vergessen; da nehmen sie einen bedeutenden Platz ein. Gott beugt sich über das Elend der Armen. Ihr Hilferuf dringt zu Gott empor. Die Seligpreisungen beschreiben die wahre Situation des Jüngers Jesu in der Welt. Sie lassen die Schönheit und den Glanz der Wahrheit und des Guten jetzt schon aufleuchten. Im Lichte Gottes sieht man schon den Glanz ihrer Freude inmitten der Drangsal.

Der selige Pater Rupert Mayer ist ein Beispiel dafür: Als er 1943 von der Gestapo von der Kanzel weg verhaftet wurde und in das Gefängnis nach Oranienburg gebracht wurde, schrieb er an seine Mutter einen Brief: „Liebe Mutter, du machst Dir Sorgen um mich. Aber ich kann Dir sagen: Ich war in meinem Leben noch nie so glücklich wie in dem Augenblick, als die Gefängnistür hinter mir zufiel und mir bewusst wurde, dass ich um Christi Willen im Gefängnis bin.“

Papst Franziskus bezeichnet in seinem Lehrschreiben „Gaudete et Exsultate“ die Seligpreisungen als Personalausweis des Christen und als Erkennungsmerkmal der Heiligen. Sie richten sich an jeden Christen. Keiner ist dazu verurteilt, nur ein mittelmäßiges, verwässertes Christsein zu leben.

Für den Ruf zur Heiligkeit sind auch heute nicht wenige Christen offen. Der Weg klingt einfach; er kann von jedem, und zwar in seiner individuellen Eigenart, gegangen werden. Gottes Beistand macht es möglich. 

Papst Franziskus sagt es so: „Im Herzen arm sein – das ist Heiligkeit. Mit demütiger Sanftmut regieren, auch wenn dich mache für dumm verkaufen oder dich für blöd halten, ist Heiligkeit. Das Herz rein halten von allem, was die Liebe befleckt – das ist Heiligkeit. Wer um sich herum Frieden sät, der bewegt sich auf dem Weg zu einem heiligmäßigen Leben. Das ist zuallererst ein Gegen-den-Strom-schwimmen. Die Welt treibt dich zu einem anderen Lebensstil.

Pius Schmidt, Kirchenzeitung Nr. 7 vom 17. Februar 2019

6. Sonntag im Jahreskreis

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 37 vom 15. September 2019

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