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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

03.05.2019

„Und sie konnten das Netz nicht mehr einholen ...“

Das Evangelium von diesem Sonntag ist mehr als nur eine Fischfanggeschichte. In ihr spiegelt sich etwas von den Erfahrungen der ersten Christen. Ihre Enttäuschung über das scheinbare Scheitern Jesu am Kreuz und ihr eigenes erfolgloses missionarisches Bemühen haben sich hier niedergeschlagen. „In dieser Nacht fingen sie nichts“, heißt es. Darin kann sich die Kirche zu allen Zeiten wiederfinden. 

Die Kirche hat keine Erfolgsgeschichte nach den Maßstäben dieser Welt aufzuweisen. Sie ist auch geprägt von Erfahrungen des Scheiterns und der scheinbaren Abwesenheit Gottes. Doch gerade die Erfahrung des vergeblichen Mühens am See von Tiberias wird zu einer Auferstehungsgeschichte und zu einer neuen Offenbarung der Gegenwart Jesu in der Kirche.

Unsere Ostergeschichte klingt geheimnisvoll und irreal, aber sie ist dennoch eine reale Geschichte. Sie handelt von der Kirche. Sie handelt von der geheimnisvollen Gegenwart Christi in ihr. „Jesus stand am Ufer“, das heißt: jenseits der Grenze des Todes. Dem Evangelisten ist es wichtig, zu betonen, dass es sich hier um eine wirkliche personale Begegnung handelte, nicht nur um eine innere mystische Erfahrung. Die Jünger erkennen ihn nicht, nur der Jünger, den Jesus liebte, erkennt ihn. Es war für die Jünger nicht leicht, zu glauben, dass der am Kreuz gestorbene Jesus wirklich lebt. Einige zweifelten daran. 

Dieser Zweifel setzt sich fort bis hinein in das Leben der Christen von heute. Und doch ist der Osterglaube der Kern des christlichen Bekenntnisses, sagt der Theologe Karl Rahner. Seine Lebendigkeit hängt ab vom Glauben an die Auferstehung Christi von den Toten. Beginnt der Osterglaube zu schwinden, dann kommt der ganze Glaube ins Wanken. Am See von Tiberias offenbarte sich Jesus seit seinem Tod am Kreuz bereits zum dritten Mal. Er trat zum Kreis der Jünger hinzu und lädt sie zum Mahl ein. Zuvor sendet er sie aus. Sie sollen das Netz erneut auswerfen, auch wenn sie sich die ganze Nacht erfolglos abgemüht haben. „Und sie konnten das Netz nicht mehr einholen, so voller Fische war es“ – das ist eine Urerfahrung christlichen Glaubens: Wer auf das Wort Jesu hin neu beginnt, erfährt trotz aller Misserfolge in der Vergangenheit die Kraft des Wortes Gottes. Wer auf Christi Wort vertraut, darf auch um den Segen wissen, der verheißen ist. 

Die derzeitige Situation in der Kirche könnte leicht dazu verleiten, den Glauben zu verlieren und der Hoffnungslosigkeit nachzugeben. Doch die Mutlosigkeit widerspricht dem Kern des Evangeliums und dem Befehl des auferstandenen Herrn. Er ist auch heute mit uns. Das Mahl der Jünger Jesu mit dem auferstandenen Christus am See Tiberias verweist uns auf seine Gegenwart in unserer Mitte, wenn wir heute die Eucharistie feiern. Er steht auch nach allen Nächten erfolglosen Mühens an unserer Seite und ermutigt uns, auf sein Wort zu vertrauen und wieder neu zu beginnen.

Pius Schmidt, Kirchenzeitung Nr. 18 vom 05. Mai 2019

3. Sonntag der Osterzeit

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 42 vom 20. Oktober 2019

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