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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

12.01.2018

„Und sie sahen, wo er wohnte ...“

Das Wohnen in unseren Städten, aber auch in manchen Dörfern, wird immer teurer. Die Mietpreise steigen immer höher, auch die Grundstückspreise, so dass sich junge Familien kaum mehr ein eigenes Heim leisten können. Hoffentlich kann da eine neue Bundesregierung etwas ändern. 

Wenn uns andere ihre Wohnung zeigen, wenn wir sehen dürfen, wie und wo sie wohnen, dann ist das ein Zeichen der Freundschaft. Ein solches Zeichen der Freundschaft gibt Jesus im Evangelium auch den ersten Jüngern. Aber wo hat Jesus eigentlich gewohnt? Gewiss in Nazareth bei seinen Eltern und Verwandten. Dann aber wurde er in seiner Heimatstadt bald eine unerwünschte Person wegen seines göttlichen Anspruchs. Er suchte sich eine neue Familie, den Jünger-Kreis. Aber wo hat er dann gewohnt? Heute im Evangelium macht er dazu eine recht rätselhafte Andeutung: „Kommt und seht! Und sie sahen, wo er wohnte und blieben jenen Tag bei ihm“. Aber wo blieben sie denn und wo war sein Zuhause? Eine Antwort auf diese rätselhafte Frage gibt Jesus bereits als 12-Jähriger seinen überraschten Eltern im Tempel von Jerusalem: „Wusstet ihr nicht, dass ich im Hause meines Vaters sein muss?“ Und nochmals spricht er vom „Wohnen“ in den Abschiedsreden des Johannes-Evangeliums: „Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen“. 

Aber kann jemand im Haus des Vaters im Himmel, als ganz bei Gott seine Wohnung haben? Jesus hat niemanden in seine Jüngerschaft gezwungen, er ließ den Jüngern die Freiheit, er lässt sie auch uns. Er sagt nur: “Kommt und seht!“ Es war gewiss nicht nur ein einziger Tag, es war ein langer und schwieriger Prozess, bis die Jünger es endgültig verstanden, wo Jesus eigentlich wohnte. Es war so etwas wie ein ständiger Umkehr- und Umdenkungsprozess, bis den Jüngern ein Licht aufging: Dieser Jesus hat eine ganz geheimnisvolle Wohnung, er ist bei Gott zuhause. Er ist das Lamm Gottes, wie Johannes der Täufer ihn nennt, und der Messias, der Gesalbte Gottes. 

Dass die ersten Jünger diesem Wanderprediger aus Nazareth ohne richtige Wohnung dennoch folgten – ist das nicht faszinierend? Wären wir ihm gefolgt, wären wir mit ihm gegangen? Sie und ich? Nur wer mit ihm geht, wer sich ganz auf ihn einlässt, macht die Erfahrung, wo Jesus eigentlich „wohnt“, wo er zuhause ist. Vielleicht hätten wir dankend abgelehnt: Nein, so nicht, ich brauch doch eine Sicherheit, ich brauch doch ein Dach über dem Kopf, ein richtiges Zuhause. Das Zuhause, das dieser Jesus mir bieten kann, ist mir zu unsicher und zu riskant. Es ist mir zu kostspielig! 

Auch Wohnen heute ist kostspielig, aber was kostet es, bei „Jesus zu wohnen“? Es kostet die Nachfolge, das „Bei ihm sein und bleiben“ und das „Mit ihm Gehen“. Es kostet, sich von Jesus zuinnerst anrufen zu lassen, so wie die Jünger im Evangelium und wie der junge Samuel in der Lesung. Es kostet das „Gott reden  lassen“ und das „Hinhören“ auf das, was er mir zu sagen hat und wozu er mich braucht. Er aber braucht und ruft jeden von uns, jedes Kind, jeden Jugendlichen, Eheleute genauso wie Ehelose oder Ältere. Je mehr wir auf seinen Ruf hören, umso größer wird die Freude darüber, wie erfüllend es ist, bei ihm zu wohnen. Dies aber jetzt schon und erst recht am Ende unserer Tage beim Vater im Himmel. 

Msgr. Richard Distler, Kirchenzeitung Nr. 2 vom 14. Januar 2018

Lesungen zum 2. Sonntag im Jahreskreis 

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 32/33 vom 12./19.08.2018

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