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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

29.07.2016

Vom Sinn des Lebens und vom Reichtum vor Gott

Es ist wohl die tiefste und am schwersten zu beantwortende Frage, die im Evangelium des 18. Sonntages im Jahreskreis anklingt: Was ist der Sinn des Lebens? Jesu Antwort bleibt zunächst unbefriedigend: „Der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt.“ Wenn aber nicht darin, worin dann?
Nach Vers 21 besteht der Sinn des Lebens darin, nicht nur für sich selbst Schätze zu sammeln, sondern vor Gott reich zu werden! Aber was bedeutet das konkret? Wie wird man reich vor Gott?

Die Kommentatoren dieses Evangelienabschnitts sind sich einig: Hier, wie an anderen Stellen des Evangeliums, geht es Jesus nicht darum, Besitz und Geld an sich zu verteufeln. Es geht um kein romantisches Armutsideal. Es geht vielmehr um die soziale Verpflichtung des Besitzes und um das Teilen, damit alle genügend haben. Und es geht um eine gewisse Sorglosigkeit und innere Freiheit im Umgang mit dem Besitz.

Wir Menschen brauchen Geld und Besitz, um leben zu können. Sie können dazu dienen, viele gute Dinge voranzutreiben, vieles zu tun für den Fortschritt der Menschheit. Aber Reichtum und die Sorge für das Morgen können auch zum Götzen werden! Beim Weltjugendtag 2013 in Brasilien sagte Papst Franziskus zu den Jugendlichen: „Besitz, das Geld, die Macht, können einen Augenblick des Rausches bieten, die Illusion, glücklich zu sein, aber am Ende sind diese Dinge es, die uns besitzen und uns drängen, immer mehr zu wollen, nie genug zu haben.“
Nach Papst Benedikt XVI. warnt Jesus genau in diesem Sinne seine Zuhörer „vor der Habgier nach irdischen Gütern. Da (der reiche Mann) für sich eine reiche Ernte angehäuft hat, hört er auf zu arbeiten, verbraucht sein Vermögen, freut sich so des Lebens und gibt sich sogar der Illusion hin, dem Tod aus dem Weg gehen zu können. (...) In der Bibel ist der Narr derjenige, der sich gegenüber der Erfahrung der sichtbaren Dinge nicht bewusst werden will, dass nichts für immer währt, sondern dass alles vergeht: die Jugend wie die Kräfte des Leibes, die Annehmlichkeiten des Lebens ebenso wie die Machtpositionen. Sein Leben von solchen vergänglichen Wirklichkeiten abhängig zu machen ist also Torheit.

Der Mensch, der auf den Herrn vertraut, fürchtet dagegen die Widrigkeiten des Lebens nicht, nicht einmal die unausweichliche Wirklichkeit des Todes: Er ist der Mensch, der wie die Heiligen ein weises Herz erlangt hat“ (Angelus am 1. August 2010).

Die Frage bleibt: Was macht uns reich vor Gott? In seiner Botschaft zur Fastenzeit 2014 hatte Papst Franziskus geschrieben: „Jesus ist reich durch sein grenzenloses Vertrauen auf Gott, den Vater, dadurch, dass er sich in jedem Moment ihm anvertraut und dabei stets und ausschließlich seinen Willen und seine Ehre im Sinn hat. Er ist reich, wie es ein Kind ist, das sich geliebt fühlt und seine Eltern liebt und keinen Augenblick an ihrer Liebe und Zuwendung zweifelt.“
Was für Jesus gilt, das gilt seit unserer Taufe auch für uns: Was uns wahre Freiheit, wahres Heil und wahres Glück schenkt, ist die barmherzige, zärtliche und für unser Leben vor-sehende Liebe Gottes. Aus ihr heraus können wir leben, handeln, teilen, Gutes tun – vor Gott reich werden und so den Sinn des Lebens finden.

Michael Wohner, Kirchenzeitung vom 31. Juli 2016

Michael Wohner wurde 1982 in Schwabach geboren. Nach dem Theologiestudium in Eichstätt verbrachte er den zweijährigen Pastoralkurs in der Pfarrei Berching. 2008 wurde er zum Priester geweiht und war danach fünf Jahre lang Kaplanin Weißenburg. Während dieser Zeit besuchte er, nach der abgeschlossenen zweiten Dienstprüfung, als "externes Mitglied" das staatliche Studienseminar für katholische Religionslehre in Ingolstadt. Seit September 2013 arbeitet er in den Pfarreien Treuchtlingen und Möhren mit, gibt weiterhin Religionsunterricht und ist mit einem weiterführenden Studium im Bereich Religionspädagogik beauftragt.

Lesungen zum 18. Sonntag im Jahreskreis am 31. Juli 2016

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 42 vom 20. Oktober 2019

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