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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

14.10.2020

Von der Einwohnung Gottes

Auf ein Wort: Von der Einwohnung Gottes

Auf ein Wort: Von der Einwohnung Gottes       Foto: Erich Kraus

Eine jüdische Geschichte erzählt: Der Rabbi verspricht einem Jungen: „Ich gebe dir einen Gulden, wenn du mir sagst: Wo wohnt Gott!“. „Und ich gebe dir zwei Gulden,“ antwortet der Junge, „wenn du mir sagst: Wo wohnt Gott nicht!“

Als Lehrer habe ich die Kinder in der Schule gefragt: Wo wohnt Gott? Wir schrieben vieles an die Tafel: überall, in der Kirche, in meinem Herzen ... Ich fragte: „Kann ich ihn anfassen?“ Die Kinder, meist ratlos, verneinten: „Gott hat keinen Körper!“ 

„Doch!“, sagte ich, „Gott hat einen Körper, einen Menschenkörper sogar. Mit dem ist er jedoch nicht mehr unter uns. Er hat aber  auch für uns einen Körper. Anfassen, ja sogar in uns aufnehmen können wir ihn. Gott wird uns zu Brot und Wein auf dem Altar.“ Viele Menschen verstehen das nicht, halten es für verrückt. Jesus wird im Evangelium dieses Sonntags bedrängt. Die Juden wollen hören, dass er der Messias ist, von dem sie träumen, der unbesiegbare Kämpfer und Held. Aber Jesus ist der lebendige, der wirkliche Tempel, in dem Gott wohnt: „Ich und der Vater sind eins“.

Wenn wir Kirchweih feiern, dann feiern wir eigentlich ihn, Jesus, der natürlich überall ist, aber leibhaftig im Brot und im Wein nach der Wandlung. Der Tabernakel, auf deutsch, das Zelt, ist die Wohnung des Herrn in seiner Brotgestalt. Dieses Zelt erinnert daran, dass Gott mit den Israeliten aus Ägypten zog, durch die Wüste ins Gelobte Land. Das Zelt war sein mobiler Tempel in dem er sich zeigte. Der Tabernakel ist das Reisezimmer unseres Herrn. Auf der Durchreise durch die ganze Welt und durch alle Zeiten begleitet er uns in seiner eucharistischen Gestalt. 

In der Heimat des Himmels werden wir ihn sehen, verherrlicht in Menschengestalt. Bis das so weit ist, wandert er mit uns als lebenspendendes Manna.

Sein Zelt ist untergebracht im Schutzhaus der Kirche, an deren Weihe wir heute denken. Die eigentliche Kirche jedoch sind wir, wenn wir den Herrn in uns tragen: zusammen Tabernakel des Herrn.

Kirche ist immer um Christus herum. Denn wo Christus ist, da ist auch Gott. Zwar betet Salomon: „Selbst der Himmel und die Himmel der Himmel fassen dich nicht“. Doch gibt es ein Gefäß das mehr ist. Mehr als jeder Tempel fasst Jesus Christus Gott in sich. Und wir, hineingemauert in ihn, hineingewachsen in seinen Rebenstock, wir haben Anteil an der Einwohnung Gottes. 

Alois Loeßl, Kirchenzeitung Nr. 42 vom 27. Sonntag im Jahreskreis (zum Evangelium Mt 22, 15–21)


28. Sonntag im Jahreskreis

Wo die Botschaft Jesu gehört wird, gibt es Spannungen und Gegensätze. Der Mensch muss sich in seinem konkreten Leben immer wieder entscheiden. Er sieht dabei, wie vorläufig und ungenügend alles Bestehende ist. Er weiß aber auch, dass sein Weg nicht die Flucht sein kann, nicht die Verneinung, sondern kritische Auseinandersetzung und verantwortliche Mitarbeit.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 43 vom 25.10.2020

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