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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

31.05.2019

Von der Strahlkraft göttlicher Herrlichkeit

Foto: epd

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Pop- und Rockkonzerte oder Show-Sendungen werden uns oft mit Lichteffekten in verschwenderischer Fülle präsentiert. „Das ist herrlich“ So freuen sich vielleicht junge Leute. Sie meinen damit: Das begeistert mich, das spricht mich an, da bin ich ganz dabei, da gehöre ich dazu. Ähnlich oft die Stimmung einer Fangemeinde in den Fußballstadien. Gewiss, ein Rausch an Herrlichkeit und Freude. Aber manchmal auch nur Stimmung und Gefühlsausbrüche, die auch in Gewalt umschlagen können.

Von einer Herrlichkeit, die von Gott und Jesus ausgeht, ist in allen drei Schriftlesungen dieses Sonntags die Rede. Wo aber spürt man etwas von dieser Herrlichkeit? Manchmal bei religiösen Jugendfestivals oder  Weltjugendtagen. Aber wo sonst noch? Ist diese göttliche Herrlichkeit, dieser Glanz und diese Strahlkraft auch in unseren Pfarrgemeinden erfahrbar?

In der ersten Lesung sieht der sterbende Stephanus die göttliche Herrlichkeit „im offenen Himmel“. Der Evangelist Johannes meint: Göttliche Herrlichkeit ist dann spürbar, wenn wir untereinander eins sind. Doch Einssein und sich verstehen, wenn das so einfach wäre! Wir wissen: Die Kirche ist in sich zerrissen und gespalten. Weil Jesus um diese Not weiß, betet er inständig: „Vater lass sie eins sein, wie du eins bist in mir und ich in dir“. Jesus tut das im sogenannten „hohepriesterlichen Gebet“. Es ist ein Gebet, das aus der Tiefe seines Herzens kommt, kurz vor seinem Tod. Bei seinem Abschied von den Seinen spricht er
von einer göttlichen Herrlichkeit, die auch in den Herzen seiner Jünger und Freunde aufleuchten soll. Mehr noch: Sogar in der Welt und im ganzen Kosmos soll die Herrlichkeit Gottes aufleuchten, so die zweite Lesung. Was könnte Menschen von heute wieder an uns Christen faszinieren?

Ist es, dass wir sie spüren lassen: Der Kirche geht es nicht um sich. Sie birgt in sich einen großartigen Schatz und das ist die Herrlichkeit Gottes in Jesus. Diesen Schatz hat sie der ganzen Menschheit zu erschließen. Oder ist es die Hoffnung auf das ewige Leben? Eigentlich eine starke Hoffnung. Aber nicht jeden interessiert das. Eher schon die Sehnsucht nach einem festen Halt, nach einer tragenden Freundschaft und nach einer starken Liebe. Menschen haben Sehnsucht nach Menschen, von denen sie sich geliebt, geachtet und respektiert wissen. Oder: Könnte heute der Einsatz für die Armen und Schwachen am Christentum faszinieren? Ja, gewiss. Denn gerade diese Menschen leiden weltweit unter Ausbeutung, Korruption und den Folgen des Klimawandels. Für Menschen in Not wird gewiss viel getan. Müssten nicht gerade wir Christen aus Rücksicht auf die Armen über eine solidarische Wirtschaftsordnung nachdenken und unseren Wohlstand begrenzen? Könnte nicht gerade dann wieder ein Stück von der Menschenfreundlichkeit unseres Schöpfers und von der Herrlichkeit Gottes aufleuchten? Eine Herrlichkeit mit einer Strahlkraft, bestimmt noch viel kraftvoller als alles, was uns die moderne Freizeitindustrie oder der Besuch eines klasse Fußballspiels zu bieten haben.

Richard Distler, Pfr. i. R., Kirchenzeitung Nr. 22 vom 02.06.2019

Siebter Sonntag der Osterzeit

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 42 vom 20. Oktober 2019

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