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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

08.02.2019

„Von jetzt an wirst Du Menschen fangen.“

Wir haben in den heutigen Lesungen drei Mal eine Berufungsgeschichte. Zuerst wird der Prophet Jesaja berufen während seiner berühmten Tempel-Vision. Danach ist es Paulus, der den Korinthern von seiner Berufung erzählt (unsere Abb. aus Waldkirchen) und im Evangelium erfährt Petrus seine Berufung zum Menschenfischer.

In allen drei Texten ist der jeweils Berufene erschüttert von der Herrlichkeit Gottes, die Vision oder das Wunder lassen ihn die eigene Armut erkennen.

Jesaja sieht den Tempel bis oben hinaus mit Gott angefüllt. Der Saum seines Gewandes schon füllt den Raum, Gott selber ragt in den Himmel, der ihn auch nicht fassen kann: „Weh mir, ich bin verloren!“ ist die Reaktion des Propheten. Doch der Seraph reinigt ihm die Lippen mit einer glühenden Kohle.

Jesajas Seraphim kann man sich als liebebrennendes Geistwesen nach Art ägyptischer Uräusschlangen vorstellen, im Unterschied zu ihnen jedoch sechsflügelig. In flammender Liebe und im Schrecken abgründiger Höhe erscheint die Herrlichkeit Gottes, beseligend und bedrohlich zugleich.

Kein Wunder, dass Paulus im Kolosserbrief sich selbst „Missgeburt“ nennt. Vor der Herrlichkeit Gottes fallen wir alle vom Pferd, verkriechen uns wie Asseln vor seinem Licht. „Herr, geh weg von mir, ich bin ein Sünder!“, ruft Petrus, hingestürzt vor den Meister, aus dessen Wunder die Herrlichkeit leuchtet.

„Fürchte dich nicht, von jetzt an wirst du Menschen fangen!“, wird dem Petrus beschieden. Das Wort Jesu ist sein Programm: Leibhaftig Wort Gottes sein. Er kommt uns entgegen in unserer eigenen „Sklavengestalt“, gefangen in den Zwängen der Kreatur.

Das Erscheinen des Herrn von Weihnachten bis in unsere Tage ruft uns zu: „Fürchte dich nicht, ich bin‘s!“ So wird es auch sein beim Weltuntergang. Glaube ist von der Wortwurzel her mit Liebe verwandt. „gelouben“ hat ursprünglich die Bedeutung „sich etwas lieb machen“. Insofern hat Gott zuerst an uns geglaubt, er hat uns sich lieb gemacht. So sehr, dass er einer von uns geworden ist, als solcher erschaffen, uns zu umarmen.

„Von jetzt an wirst du Menschen fangen!“ – das ist nun der Auftrag, es ihm gleich zu tun: Fangen mit beiden Armen, um-fangen mit der sich verschenkenden Liebe. Solche Liebe verändert uns und sie verändert die Umfangenen. Alles birgt sie schadlos in der Herrlichkeit Gottes.

Alois Loeßl, Kirchenzeitung Nr. 6 vom 10. Februar 2019

5. Sonntag im Jahreskreis

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 16 vom 21. April 2019

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