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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

26.08.2020

Was gewinnen wir in einer Krise?

Existentielle Frage: Wie komme ich mit mir ins Reine

Existentielle Frage: Wie komme ich mit mir ins Reine, damit ich Leben gewinne und nicht verliere?                                    Foto: pixabay

Da steckt einer in einer schweren Berufs-, Berufungs- und Lebenskrise. Die Fragen,  die er sich stellt, kennt mancher von uns: Wieso bin ich in diese missliche Situation geraten? Was ist aus meinem Ideal geworden? Soll ich alles hinschmeißen? Oder soll ich zu meiner Überzeugung stehen? Wie soll ich mich entscheiden? 

Da ringt ein Prophet mit seiner Berufung, er ringt mit Gott. Hat der ihn zum Narren gehalten? Also betrogen? Jeremia wird zum Gespött. Es ist eine handfeste Auseinandersetzung. Was mutet ihm dieser Gott nicht alles zu? Ganz allein steht er gegen das Volk und den König. Die Situation ist äußerst bedrohlich. Der große Feind, Babylon, steht vor der Tür. 

Man will vom Propheten nur Beschwichtigung und Lob hören. Doch er widersteht. Weil er sich nicht dem Mainstream anpasst, wird ihm übel mitgespielt. Man wirft ihn gar in eine Zisterne. Nur eine starke Gottesbeziehung erhält ihn am Leben. In ihm brennt so etwas wie das „Gottesfeuer“. 

Wie verhalten wir uns in unseren Berufs- und Lebenskrisen? Setzen wir uns da auseinander in der Ehe, in der Familie, mit den Chefs? Zu allererst aber mit uns selbst und mit Gott? Wie denkt er? Was ist sein Plan für mein Leben, für meine Zukunft? Und wie komme ich mit mir ins Reine, damit ich Leben gewinne und nicht verliere? 

Nur ein Beispiel: Ein Landwirt setzte sich intensiv mit der Frage auseinander, soll ich von konventionell auf bio umstellen? Er rang mit sich, war es die richtige Entscheidung? Er erntete auch Kritik. Doch dann sah er den Gewinn in der Schonung des Bodens, in der Tier- und Lebensmittelgesundheit und in der Bewahrung der Schöpfung. 

Um für alle Leben zu gewinnen, spricht Jesus heute im Evangelium von seinem „Gang nach Jerusalem“. Es ist sein Weg in den Tod und in die Auferstehung. Niemand versteht ihn, auch nicht Petrus. Das Kreuz? Ist doch nicht nötig. Muss doch nicht sein. Ist doch nur Lebensverlust und kein Gewinn. Da steckt auch Jesus tief in seiner „Lebenskrise“. Petrus will ihn von seinem Weg abbringen. Es ist die Auseinandersetzung mit einem, dem er zuvor das oberste Hirtenamt für die Kirche anvertraut hat. Doch dann das harte Wort: „Du Satan!“ Damit meint er: Du denkst nicht, was Gott will, sondern was die Menschen wollen. 

Was ist Christsein? Was ist Jüngerschaft? Leben wir vielleicht zu sehr nach „der Art dieser Welt“, wie wir heute bei Paulus lesen? Angepasst und weggeduckt? Den Weg des geringsten Widerstands? 

Dennoch: Keiner ist ein Superheld, Jeremia nicht, auch Jesus nicht von vornherein. Auch er musste sich hart durchringen in dem, was der Wille Gottes war. Dieses Durchringen und Annehmen der Lebenssituation ist für uns auch oft ein Kreuz. Doch eine Sache durchzustehen und gut durchzuhalten und verlässlich zu sein, ist das nicht Lebensgewinn?

Richard Distler, Pfr. i. R., Kirchenzeitung Nr. 35 vom 22. Sonntag im Jahreskreis
(zum Evangelium Mt 16, 21–27)


22. Sonntag im Jahreskreis

Jesus ist der Christus und Gottessohn, der in seiner Schwachheit gekreuzigt wurde und aus der Kraft Gottes lebt (2 Kor 13, 4). Das ist der Glaube, den wir bekennen, gegen den Widerspruch der „Welt“ und auch gegen den Aufstand im eigenen Herzen. Erst in der Nachfolge des Gekreuzigten wird das Herz frei und das Bekenntnis wahr.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 43 vom 25.10.2020

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