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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

04.01.2019

Welchem Stern sollen wir folgen?

In Kirchen der ehemaligen DDR, wo es teilweise nur noch ein paar Prozent Christen gibt, werden regelmäßig auch Gottesdienste oder Kirchenführungen für Nicht-Glaubende angeboten. Diese religiösen Angebote sind gut besucht. Einmal erzählte ein Pfarrer: Als er nach einer solchen religiösen Kirchenführung die Teilnehmer bat, sich in ein aufliegendes Buch einzutragen, schrieb einer hinein: „Lieber Gott, das alles ist wunderbar und ich bin fasziniert. Aber leider kann ich nicht an dich glauben.“

Dieser Teilnehmer steht für die vielen Menschen, die auf der Suche sind. Unter der Decke der Vielen, die sich äußerlich von Religion und Kirche distanziert haben, brodelt es. Da ist im Hintergrund viel Sehnsucht nach Sinn, Glück und Orientierung lebendig. Können wir diesen suchenden Menschen einen Weg zeigen? Gibt es auch heute noch solche „Sterne“, wie sie einst in der Geschichte von den drei Sterndeutern aus dem Osten vorkamen? „Sie folgten dem Stern, den sie hatten aufgehen sehen und er zog vor ihnen her.“ Die heilige Schwester Theresa Benedicta (Edith Stein) sagte, dass ihr die Geschichte von den drei Sterndeutern auf ihrer Suche nach der Wahrheit sehr geholfen hat. Aber sie bekennt auch, dass der Stern von Betlehem kein aufdringliches Licht hat, so wie die glitzernden Sterne einer Luxuswelt: „Der Stern von Betlehem ist ein Stern in dunkler Nacht.“

Auf welche „Sterne“ können wir die suchenden Menschen von heute verweisen? Unter den vielen Sternen, die uns auf unserer Suche im Leben vorausleuchten, möchte ich zwei nennen. Ein solcher „Stern“ ist die Sehnsucht. Jener oben genannte Besucher der religiösen Kirchenführung in der ehemaligen DDR hatte offenbar eine Sehnsucht nach Gott. Sie klingt aus seinem Bedauern heraus: „Gott, leider kann ich nicht an dich glauben.“ Fast möchte man diesem Gottesdienstbesucher zurufen: „Gehen Sie Ihrer Sehnsucht nach! In dieser Sehnsucht dürfen Sie das Rufen Gottes erkennen. Lassen Sie sich nicht abspeisen durch die vielen netten Spaß-Ereignisse Ihres Lebens! Sie suchen mehr! Nehmen Sie diese Sehnsucht in Ihr beten hinein. Oder machen Sie einfach diese Ihre Sehnsucht zu einem Gebet. Wenn Sie damit fortfahren, dann werden Sie erfahren, dass Sie durch diesen „Stern“ weitergeführt werden. „Wer die Wahrheit sucht, der sucht Gott, ob es ihm klar ist oder nicht“, sagt Edith Stein. Denn Gott lässt sich finden von dem, der ihn sucht. Manchmal tut es gut, sich mit anderen suchenden Menschen zusammen zu tun. Gemeinsam sieht man mehr.

Ein weiterer „Stern“ in unserem Leben sind die inneren Trosterfahrungen. Der Trost hat in den geistlichen Unterweisungen des heiligen Ignatius von Loyola eine große Bedeutung. Trosterfahrungen, meist verstreut im ganz gewöhnlichen Leben, sind Augenblicke tiefer Freude oder eines inneren Friedens, der nicht von dieser Welt ist. Augenblicke der Gewissheit, von Gott ganz geliebt zu sein. Oft sind diese Erfahrungen verbunden mit einem tiefen Gottvertrauen oder einer große Liebe zu den Mitmenschen. Es sind Augenblicke einer existentiellen Betroffenheit, manchmal auch einer tiefen Reue. Solche Trosterfahrungen sind nicht zu verwechseln mit einem „guten Gefühl im Bauch“. Sie sind etwas anderes! Wir sollten sensibel werden für solche Gnadenerfahrungen. Durch sie wird uns der Weg gezeigt. Wahrer Trost kann nur von Gott kommen – natürlich oft vermittelt durch Mitmenschen. Jesus ist der Immanuel, der Gott mit uns. Er ist der Trost für alle Menschen.

Pius Schmidt

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 12 vom 24.3.2019

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