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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

15.03.2019

Wenn Gott uns schüttelt ...

Kann das sein, wie einmal Theodor Brüggemann schreibt: „Bevor Gott einen Menschen braucht, schüttelt er ihn. Bevor er ihm Licht gibt, lässt er ihn in Finsternis geraten. Bevor das Wichtigste im Menschen geboren wird,lässt ihn Gott in Geburtswehen sich krümmen, hilflos und lebensgefährlich bedroht“?

Kann Gott uns wirklich so schütteln? Ja, das kann durchaus sein. Ein Unglück, das eigene Versagen oder eine Krankheit: All das kann uns schütteln, manchmal sogar gewaltig. Solche Erfahrungen hat Abraham mit Gott gemacht. Dieser verspricht ihm ein großes Volk, so zahlreich wie die Sterne am Himmel. Doch Abrahams Zukunft ist lebensgefährlich bedroht: Er hat keine Nachkommen. Gott aber lässt ihn nicht im Stich. Er steht zu ihm und schließt einen Bund. Dieser Bund aber hat nur dann Bestand, wenn Abraham Gott glaubt und vertraut.

Wie ist das bei uns? Worauf vertrauen und bauen wir? Nur auf unsere eigenen Leistungen und Kräfte? Bauen wir nur auf materielle Dinge wie Geld, Einkommen, Wohlstand? Wir täuschen uns. All das kann uns genommen werden. Nicht einmal die Gesundheit und das Leben sind sicher. Da bleibt oft nur das Gottvertrauen, das Vertrauen darauf, dass er uns einen guten Weg führt und dies trotz aller Bedrohlichkeiten, Zweifel und Dunkelheiten. Aber dieses Vertrauen braucht Wachstum. Es kann sogar Wehen verursachen, bis es geboren wird.

Auch das Gottvertrauen der Jünger ist total gefordert. Von Jesus sind sie noch nicht überzeugt. Er spricht immer wieder vom Kreuz, vom Leiden und Sterben. Die Frage, wer er wirklich ist, liegt wie ein Nebel auf ihren Herzen. Doch dann der Berg Tabor: Da passiert für sie Unglaubliches. Jesus, plötzlich im Licht, total verändert und verklärt. Nicht mehr menschlich, nein ganz göttlich. Kann das sein? Ist er das wirklich? Unser Jesus ganz Mensch und dann doch ganz Gott? Bald schon ein in Todesangst Geschüttelter und dennoch Sohn Gottes? Wie passt das alles zusammen? Der Nebel lichtet sich bei den drei Jüngern dennoch nicht ganz. Den Durchbruch schafft erst Ostern, die persönliche Begegnung mit dem Auferstandenen.

Was schafft bei uns den Durchbruch? Ist es das Urgottvertrauen des Abraham? Ist es der österliche Glaube an Jesus wie bei den Jüngern? Ein Tabor- und Christuserlebnis ist höchst selten. Da oder dort kann es lichte Momente geben, aber wir sind noch auf dem Weg. Für uns gilt: Der Weg ist das Ziel. Ein solcher Weg ist jetzt die Fastenzeit. Sie dauert 40 Tage.

Der Theologe Karl Rahner meint, der abendländische Mensch leide daran, dass Gott für ihn so fern ist: „Diese bittere Gottesferne ist das tiefste Leid in der Fastenzeit unseres Lebens, größer noch als die Tatsache, dass wir sterben müssen.“ Fastenzeit also ein ganzes Leben lang? Das Leben nur Gottesferne und keine Nähe? Nicht ganz. Jesus hat uns diesen fernen Gott nahegebracht. Die heiligen 40 Tage sind für uns die Chance, Gott noch näher zu kommen, auch wenn das bei uns Geburtswehen verursacht. Es braucht dazu Glauben und Vertrauen, so wie bei Abraham und bei den Jüngern.

Richard Distler, Pfr. i. R., Kirchenzeitung Nr. 11 vom 17. März 2019

Zweiter Fastensonntag

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 20 vom 19. Mai 2019

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