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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

07.10.2020

Wenn wir zum Festmahl geladen sind ...

Könnten nicht Visionen auch nützlich und zukunftsweisend sein?

Könnten nicht Visionen auch nützlich und zukunftsweisend sein? Da „träumt“ in der heutigen ersten Lesung Jesaja von einem großen Festmahl.                                     Foto: pixabay

Wer Visionen hat, der soll zum Arzt gehen“ – so soll einmal Bundeskanzler Helmut Schmidt gesagt haben. Für ihn, den nüchternen Realpolitiker, waren Visionen, also ernsthafte geistliche Träume, wenig brauchbar.

Könnten nicht Visionen auch nützlich und zukunftsweisend sein? Da „träumt“ in der heutigen ersten Lesung Jesaja von einem großen Festmahl für alle Völker auf dem „Berg Gottes“, dem visionären Berg Zion. Aber ist nicht heutzutage ein solches Festmahl wie ein Mahl im Nebel, weit entfernt von der Realität? Immer neuer Hass, neue Gewalt, ein Hauen und Stechen in der Diplomatie, wenn es nicht gar zu Mord und Totschlag kommt?

„Ich vernichte den Tod für immer!“ Wie kann das sein? Sterben muss jeder. Aber was ist „Tod“ in der Bibel? Der schlimmste Tod ist nicht der leibliche Tod, sondern die Gottesferne, die Gleichgültigkeit gegenüber Gott und seinem Ruf in sein Reich. Es ist wie der Ruf, wie die Einladung eines geheimnisvollen Königs zur Hochzeitsfeier für seinen Sohn. Eingeladen sind alle, also auch jeder von uns. Das Drama aber ist: Allzu viele schlagen die Einladung aus. Sie haben anscheinend Wichtigeres zu tun: Handel treiben oder das Feld bestellen. Besonders krass wird diese Verweigerung bei denen, die die Diener des Königs sogar umbringen.Doch dann die erneute Einladung an alle auf den Gassen und Straßen. Wie unerbittlich und unerschütterlich muss doch dieser König sein? Er ist Gott selbst, der Sohn ist Jesus.

Was ist uns wichtig? Unsere Arbeit, die Geschäfte, das Geldverdienen? Die eigenen Interessen, der Sport, die Freizeit? Verweigern wir uns der Einladung oder nehmen wir sie an? Und wie ist das mit dem hochzeitlichen Gewand, mit dem Festkleid? Im Orient war es üblich, dass der Gastgeber jedem Gast ein Festkleid aushändigte. Der Mann ohne das Hochzeitsgewand: Ist er nicht der, der sich dem göttlichen Gastgeber total verweigert? Der sich nicht bekleiden lässt mit der hohen Würde, die jedem Gast beim großen Festmahl zusteht? Ist nicht für uns Christen das Taufkleid jenes geheimnisvolle Gewand, mit dem Gott uns bekleidet und gewürdigt hat, am großen Hochzeitsmahl teilzunehmen?

Die zukunftsweisende Vision des Jesaja ist nicht bloß unnütze Träumerei. Sie möchte durchaus jetzt schon eingreifen in unser Denken und Handeln. Doch die Frage ist: Lassen wir uns als Kirche und als Gesellschaft überhaupt noch von Gott beschenken? Mit seiner Freude an uns, seinen Gästen, mit seiner Liebe, seiner Zuneigung und mit seinem Frieden? Ist es nicht an der Zeit, zuzulassen, dass solche Gaben unsere Herzen verändern und verwandeln? Mehr noch: Sie werden uns vorbereiten, die Einladung zum großen Gastmahl gerne anzunehmen.

Richard Distler, Pfr. i. R., Nr. 41 vom 28. Sonntag im Jahreskreis (zum Evangelium Mt 22, 1–14)


28. Sonntag im Jahreskreis

Alle Freude ist im Grunde nur Vorfreude, wie alle Schönheit ein Gleichnis ist: Abglanz des Bleibenden und Unterpfand der Hoffnung. Das festliche Mahl, das wir feiern, ist Zeichen und Anfang ewiger Freude. Und selbst im Leid bleibt die Ahnung, dass eine liebende Hand einmal alle Tränen trocknen wird.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 43 vom 25.10.2020

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