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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

19.08.2020

Wer ist dieser Jesus Christus für mich?

Foto: pixabay

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Wer ist Jesus? Das ist die alles entscheidende Frage, die im heutigen Evangelium jedem von uns gestellt wird. Diese Frage ist der Kern des Christentums – und auch meines Lebens als Christ.

Ist Jesus Christus für mich ein Religionsstifter, ein Revolutionär, ein guter Mensch? Oder ist er der Sohn des lebendigen Gottes, der mich ins Leben gerufen hat und für mich gestorben und auferstanden ist? Untrennbar mit dieser Frage verbunden ist die Bedeutung Jesu Christi für mein persönliches Leben: Sehe ich ihn nur als ein moralisches Vorbild? Ist er für mich eine Art „harmlose“ und gutmütige Heiligenfigur, der ich eine Nische in meinem Leben widme, sozusagen als das i-Tüpfelchen, das ab und zu einmal als Trostpflaster fungiert? Oder aber ist er der Immanuel, der Gott-mit-uns, der lebendige Gott, der mich in meinem Alltag begleitet, der mich – ja, genau mich – jetzt in seine Nachfolge ruft? Die heutige Frage des Evangeliums – Wer ist Jesus? – verlangt eine Entscheidung von mir. Die Antwort, die ich auf diese Frage gebe, wird eine Folge für mein Leben haben, wenn ich es bewusst und konsequent gestalte. Die heutige Frage ist ein Anruf der Gnade, mir über das Wesentliche in meinem Leben Gedanken zu machen.

Wenn wir in die Evangelien schauen, merken wir, dass wir oft unbewusst in unserer Vorstellung das Bild von Jesus Christus verharmlosen. Wir reduzieren es auf Nächstenliebe, Solidarität und Gewaltlosigkeit, klammern aber dabei den radikalen Anspruch Christi auf das ganz persönliche Leben der Menschen, die ihm begegnen, aus. Christus war kein harmloser „Softie“. Er hat mit Klarheit unbequeme Wahrheiten ausgesprochen – ohne Widerstände zu scheuen. Er hat mit Entschiedenheit in seine radikale Nachfolge gerufen – ohne Abstriche zu machen. Er hat mit Vehemenz gegen Machtmissbrauch, gegen äußere Frömmeleien und für die Wahrheit gekämpft – ohne Kompromisse einzugehen. Er hat sich in Liebe jedem Einzelnen gewidmet – ohne jemanden auszuschließen oder auf sein eigenes Ansehen zu achten. Und er ist abgelehnt, verlacht, ja gekreuzigt worden – und von den Toten auferstanden.

Jesus hatte mit seiner Botschaft keinen durchschlagenden Erfolg im menschlichen Sinn. Doch wenn wir als Christen daran glauben, dass Jesus Christus tatsächlich der Sohn des lebendigen Gottes ist, der aus Liebe zu uns Mensch wurde, uns Gemeinschaft mit Gott und das ewige Leben gebracht hat, dann geht es um etwas anderes. Dann geht es nicht um glänzende (auch religiöse) Erfolge, um Macht und Ansehen in dieser Welt, sondern es geht um den Weg der bedingungslosen Liebe, die bereit ist, die Mitmenschen in ihren Nöten wahrzunehmen und ihnen zu dienen. Es geht um die Bereitschaft, selber für die Wahrheit und christliche Maßstäbe einzutreten, auch wenn diese dem Mainstream widersprechen. Es geht um die Entschiedenheit, in eine immer größere Vertrautheit mit Jesus Christus einzutreten, aufmerksam auf sein Wort und seine Stimme zu hören, um daraus Kraft und Inspiration für das eigene Tun zu schöpfen. Dieser Weg der Liebe und Hingabe ist nicht einfach, doch kann gerade er, und nur er, die Sehnsucht des Menschen nach Wahrheit, Glück und Freiheit vollkommen erfüllen.

Es braucht auch heute Menschen, die den Mut haben, sich wie Petrus zu Christus als dem Sohn Gottes zu bekennen. Wer das tut, kann anderen Menschen im wahrsten Sinn des Wortes den Himmel erschließen.

Pia Sommer,  Kirchenzeitung Nr. 34 vom 23. Sonntag im Jahreskreis (zum Evangelium Mt 16, 13–20)


21. Sonntag im Jahreskreis

Zu einem Haus gehören Mauern, Türen und Fenster. Festen Bestand aber hat ein Haus vor allem durch das Fundament. Die Kirche Christi ist apostolisch: Sie ruht auf dem Fundament der Apostel, auf ihrem Glauben und ihrer Lehre, das heißt aber letzten Endes: auf Christus selbst. Er ist der Fels.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 43 vom 25.10.2020

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